Winnipeg - Perle der Prärie - die unbekannte Großstadt in der Mitte Kanadas lädt zum Schulbesuch ein. Wie die Schulen dort aussehen und was für gute Arbeit die Betreuer leisten, davon berichten wir hier.
Mein Name ist Corinna Rodewald und ich bin bei GLS für den Bereich High School Kanada zuständig. Anfang März war ich auf Stippvisite in Kanada, um mir Schulen in Winnipeg, Ottawa und Neufundland anzusehen, GLS Schüler an ihren kanadischen Schulen zu erleben und mich mit den Betreuern vor Ort zu treffen.
Thema dieses Blogs ist der erste Stopp der Reise: Winnipeg in „Friendly Manitoba“, wie die Nummernschilder der Provinz zu recht propagieren - … und friendly sind sie wirklich, die Leute in Manitoba.
Winnipeg ist die unbekannte Metropole in der Prärie, in der Mitte des Landes. Ca. 660.000 Menschen nennen Winnipeg ihre Heimat.
Gegründet am Zusammenschluss von Assiniboine und Red River, im 19. Jahrhundert umkämpftes Zentrum des Pelzhandels, der Name leitet sich ab vom Cree-Ausdruck win nipee (schlammiges Wasser) – aufgrund der roten Lehmerde ist das Flusswasser in der Tat schlammig und nicht einladend, darin zu baden. Im Winter aber ist diese Gegend ein wahres Winterparadies:
Über die Brücke (Esplanade) geht’s nach St. Boniface, den französischen Teil Winnipegs, auf der anderen Seite des Red Rivers gelegen.
Gegründet von französischen Siedlern und Geburtsort von Louis Riel, ist dies Kanadas älteste französische Gemeinde außerhalb von Quebec. Louis Riel wurde bekannt als Wortführer der Métis und Kämpfer für die Rechte der indianisch-europäischen Einwohner.
Skyline Winnipeg von St. Boniface
Für diesen Teil Winnipegs ist ein eigener Schulbezirk zuständig, die Schulen, die GLS anbietet, liegen im englischen Teil Winnipegs, genauer im Nordosten, in den Bezirken Kildonan und Transcona.
In Kildonan liegen die Schulen Kildonan East, Miles Macdonnell Collegiate (Miles Mac) und River East Transcona Collegiate (REC) - die blauen Pfeile. Jeder Bezirk verfügt über eine gute Infrastruktur, hier befinden sich zum Beispiel das Fitnessstudio des YMCA (direkt angrenzend an das Gelände des Miles Mac), ein Swimming Pool (Concordia Pool) sowie mehrere Eishockey Arenen und ein Fußballstadion. Auch ein kleines Skigebiet (Spring Hill) gleich außerhalb der Stadt ist von hier gut erreichbar. Natürlich hat auch Kildonan ein eigenes kleines Shopping Center und die Anbindung nach Downtown Winnipeg mit Bussen ist gut gewährleistet.
Die pinkfarbenen Pfeile zeigen die Lage der anderen drei Schulen: Transcona Collegiate (TCI) und nebeneinander gelegen Murdoch Mackay (Murdoch) und Collège Pierre Elliott Trudeau (CPET). Auch hier gibt es einen Swimming Pooil (Transcona Centennial) sowie Fitnessstudios und Eishockey- sowie Eislaufarenen. Kildonan Place Shopping Center ist von hier schnell zu erreichen, nach Downtown fahren Busse.
Busse verkehren im gesamten Stadtgebiet, auch in den französischen Teil, nach St. Boniface.
Und das sind die tollen Schulen, die man hier besuchen kann:
Miles Macdonnel Collegiate (1.000 Schüler, Jahrgangsstufen 10 bis 12) ist die erste Schule, die wir besichtigen. Miles Mac, wie die Schule liebevoll genannt wird, hat nicht nur das French Immersion Programm im Angebot, d. h. Fachunterricht auf Französisch, so dass Schüler mit einem biligualen Diplom die Schule abschließen können, sondern bietet auch das IB Progamm (International Baccalaureate) an.
Nicht zuletzt ist Miles Mac aber berühmt für sein Musikstudio – Mighty Mac. Hier „herrscht“ Zane Zalis, international bekannter Musiker/Komponist/Produzent. Zane liebt und lebt die Musik und stellt mit Sicherheit für jeden musikinteressierten Schüler eine Bereicherung dar. Mehr zu Zane hier.
Neben Toni (die seit September hier zur Schule geht) sieht man auf dem Foto (von links nach rechts) noch Annelies van de Nadort (Programmverantwortliche für die internationale Abteilung des Schulaufenthalts), Pam (Betreuungslehrerin am MilesMac für die internationalen Schüler) und rechts in Action Zane Zalis.
Musik wird hier aber auch ganz klassisch betrieben:
Schüler am Miles Mac werden "Buckeyes" genannt:
Und sie bleiben dieser Gemeinschaft ein Leben lang verbunden. Berühmte Buckeyes finden sich auf der Wall of Fame und ab und an kommt auch mal einer vorbei und hat eine großzügige Spende für seine ehemalige Schule in der Tasche:
In der Abteilung Internationaler Schulbesuch arbeiten auch zwei ehemalige Buckeyes, Sean Major und Kimberley Peterson sind selbst Absolventen dieser Schule und sind regelmäßig an den Schulen, um bei den Schülern nach dem Rechten zu sehen:
Sean (links im Bild) und Kimberley (rechts im Bild) mit Annelies
Theater und generell die Künste spielen eine große Rolle an der Schule:
Auch im Bereich Computer Animation räumt die Schule jedes Jahr die Wetbewerbspreise ab, was nicht zuletzt der sehr engagierten Lehrkraft zuzuschreiben ist:
Pam ist diejenige, die am Miles Mac direkte Ansprechpartnerin der Internationals ist:
Die Ausstattung der Schule ist beeindruckend:
Vergleichbar mit dem River East Transcona Collegiate hat Miles Mac das umfangreichste Sportangebot der Schulen Winnipegs und die engagiertesten und wettkampfstärksten Teams, von Badminton bis zu Volleyball reicht die Bandbreite, sodass auch ambitionierte Sportler hier voll auf ihre Kosten kommen.
Die Jets – Winnipegs Hockeyteam sind der Stolz der Stadt
Als 1996 das Team aus Winnipeg weg und nach Phoenix ging – das finanzielle Angebot war einfach zu reizvoll und die Wärme von Phoenix der Kälte Winnipegs vorzuziehen – war das ein Drama für die ganze Stadt. 2011 sind die Jets endlich wieder auferstanden – das NHL Team aus Atlanta wurde eingekauft und in guter Tradition auch Jets genannt. Sie werden heiß geliebt und bei Heimspielen von halb Winnipeg angefeuert, so auch an dem Sonntag, an dem ich dort war – halb Winnipeg schien auf den Beinen gewesen zu sein:
Der Rest Winnipegs war bei den Forks, der Gabelung der zwei Flüsse, wo das Winterspektakel zum Mitmachen einlud und wo Winnipegs neuestes Museum, das Canadian Museum for Human Rights die Menschen hinzieht:
Canadian Museum for Human Rights
Es waren -17 Grad Celsius, als ich im März dort war und die Temperatur wurde vor Ort als fast frühlingshaft empfunden :-) Kälte hat in Winnipeg durchaus eine andere Dimension, sodass entsprechend in der Innenstadt Skywalks Schutz bieten, um von A nach B zu kommen und sich die Shopping Centren durchaus großer Beliebtheit erfreuen:
Doch zurück zu den Schulen.
Der Schultag in Winnipeg bietet Raum für fünf Fächer:
Und jedes Semester kann man andere Fächer aus dem riesigen Kursangebot wählen. Neben klassisch akademischen Fächern wie Mathe, Naturwissenschaften, Geschichte, Sprachen finden sich dort auch eine Menge praktischer Fachangebote, z. B. Autorwerkstatt:
Am Murdoch Mackay Institute (ca. 900 Schüler, Jahrgangsstufen 9 – 12) können Lehrkräfte und Leute aus der Gegend ihre Autos als Anschauungsobjekte für den hands-on Unterricht abgeben und erhalten ein repariertes Fahrzeug zurück:
Christoph ist seit September 2014 an der Schule und Teil der Schulgemeinschaft geworden. Den Fotokurs hat er im letzten Semester sehr genossen.
Fashion ist ein weiterer großer Bereich am Murdoch Mackay. Die Schüler bereiteteten sich gerade auf die große Fashionshow vor, die sie ganz öffentlich am renommierten Ort Forks‘ Market in wenigen Wochen auf die Beine stellen wollen.
Rob hat einen guten Draht zu seinen Schülern – er betreut die internationalen Schüler und ist auch immer für ein Späßchen mit den Lehrern zu haben.
Auch Holzarbeit kann hier von der Pike auf gelernt werden.
Der Bereich Metallverarbeitung darf natürlich auch nicht fehlen.
Jede Schule verfügt auch über einen Gym, der während des Schultags und oft, sofern sich Lehrer bereit erklären, die Aufsicht zu führen, auch noch nach der Schule benutzt werden kann.
CPET – Collège Pierre-Elliott-Trudeau ist eine besondere Schule. Im Gegensatz zu den anderen Schulen gehen hier nur 350 Schüler zur Schule, Jahrgänge 9 bis 12. Der Unterricht findet komplett auf Französisch statt (außer im Fach Englisch). Es handelt sich entsprechend um eine sog. French Milieu School, d. h. eine Schule, die Wert auf das Frankophone legt, ihre Schülerschaft ermuntert, Französisch zu sprechen, auch wenn die Muttersprache der Schüler Englisch ist. Entsprechend wohnen internationale Schüler, die hier zur Schule gehen auch bei englischsprachigen Gastfamilien.
Michelle, Assistant Principal, ist an dieser Schule für die internationalen Schüler verantwortlich:
Auch die extracurriculen Angebote werden natürlich auf Französisch angekündigt:
Wie an jeder Schule, hat jeder Schüler sein eigenes Schließfach:
Gegessen wird in der Cafeteria der Schule:
Eine Schulbücherei ist selbstverständlich:
CPET und Murdoch liegen nebeneinander, sodass CPET-Schüler in der Vergangenheit regelmäßig Gelegenheit hatten, an Ausflügen und Wettkämpfen teilzunehmen , die das (größere) internationale Schüler-Department am Murdoch organisiert.
Aber auch CPET selbst hat eine Reihe an Sportteams und Musikangeboten (Konzertband, Jazzband, Chor), aber auch eine Improtheatergruppe, die internationalen Schülern offen stehen.
Im April /Mai jedes Jahr schreiben die Schüler DELF-Prüfungen – wer also ein Jahr hier zur Schule geht, kann diese mitschreiben.
Die dritte Schule in dieser Gegend ist Transcona Collegiate (700 Schüler, Jahrgänge 9 bis 12). Transcona hat ein kleines Programm für internationale Schüler, aber natürlich gibt es auch hier den assistant principal, der für die internationalen Schüler verantwortlich ist: Rechts im Bild: Brenna.
Stärken dieser familiären Schule liegen im Bereich Musik, Chor und Band sind an der Schule sehr präsent, aber auch Theater und Improtheater spielen eine große Rolle.
Es gibt mehrere individuelle Probenräume, in denen die Schüler auch in Freistunden musizieren können:
Schüler-Kunst im Schaukasten:
Winnipeg ist Universitätsstadt – viele Absolventen bleiben hier und bewerben sich an der renommierten Winnipeg University, die downtown liegt:
Und ein Tim Horton’s Coffeeshop ist eigentlich immer in der Nähe (die kanadische Konkurrenz zu Starbucks, gegründet vom ehemaligen Eishockeyspieler Tim Horton) :-)