Ich bin Melanie, arbeite bei GLS und hatte dieses Jahr die wundervolle Aufgabe unsere USA-Teilnehmer auf der New York-Orientierung zu begleiten.
Woran denkt man als erstes, wenn man das Wort "New York" hört? Die Freiheitsstatue, Times Square, Broadway, Empire State Building...und und und...all das und noch vieles mehr haben wir auf unserer 4-tägigen Orientierung gesehen!
Nun sitze ich erneut im Flieger auf dem Weg nach New York City und auch wenn es bereits mein zweiter Aufenthalt dort ist, ist die Vorfreude mindestens genauso groß, wie vor meinem ersten Aufenthalt in dieser Weltmetropole. Auch den Kids sehe ich an, dass sie trotz der vielen vergossenen Tränen, wegen des Abschieds von ihren Liebsten in Deutschland, voller Vorfreude auf das Abenteuer New York sind. Einige waren schon mal in New York, andere zwar schon mal in den USA, aber bisher noch nicht im Big Apple und wieder andere waren noch nie in den USA - für sie ist das also absolutes Neuland. Nach einem doch relativ langen Flug, wie ich finde, landen wir in Newark und manchen wird glaube ich erst jetzt, wo sie amerikanischen Boden betreten, richtig bewusst, dass sie hier nun ein halbes oder gar ganzes Jahr verbringen werden. Wir sammeln uns alle vor dem Flieger und gehen dann gemeinsam zur Immigration, wo es wie eigentlich immer doch einige Zeit dauert, bis wir schlussendlich alle durch sind und in der Empfangshalle auf unsere Begleiterin Tammy treffen. Auch Rose, Geschäftsführerin der Partner vor Ort, lässt sich noch kurz blicken, verschwindet dann aber gleich wieder, weil sie die nächste Gruppe in Empfang nehmen muss. Nun stehen wir da und warten auf unseren Busfahrer, laut Tammy müsste Sean gleich da sein und da kommt er auch schon um die Ecke gefahren. Also alle Mann mit dem gesamten Gepäck raus aus der Ankunftshalle und rein in die trotz bedecktem Himmel schwüle Hitze, Gepäck in den Bus gehievt und ab in den „Gott sei Dank“ klimatisierten Bus. Und los geht die Fahrt direkt zum Empire State Building, dem nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 jetzt höchsten Gebäude in New York City. Dort angekommen schnell ein Platz zum Parken gesucht, was sich im New Yorker Verkehr doch ziemlich schwierig gestalten kann, und rauf geht’s in den 86. Stock. Von der Aussichtsplattform hat man einen tollen Blick über ganz Manhattan, Schade nur, dass es so bewölkt und diesig ist – die Kids sind trotzdem beeindruckt.
Danach haben wir nun auch alle ziemlichen Hunger und so machen wir uns auf den Weg in das Künstler- und Szeneviertel Greenwich Village. Dort essen wir bei John’s super leckere Pizza und im Anschluss haben wir noch die Möglichkeit ein wenig die Gegend zu erkunden. Die Straßen mit ihren Backsteinhäusern und Treppenaufgängen erinnern schwer an „Sex and the City“ und trotz der langsam einkehrenden Müdigkeit, ist der Facettenreichtum dieser Stadt einfach nur überwältigend. Anschließend machen wir uns schlussendlich auf den Weg ins Hotel, worüber die Kids auch ganz froh zu sein scheinen, da sie der lange Flug, die ganzen neuen Eindrücke und der doch ziemlich lange Tag offensichtlich ganz schön geschlaucht haben … mir geht es genauso. Ab durch den Holland Tunnel rüber nach New Jersey, wo sich unser Hotel befindet und keine 10 Minuten später sehen wir es auch schon, das Fairfield Inn - allerdings soll es nicht das letzte Mal an diesem Abend gewesen sein, dass wir das Hotel nur aus der Ferne sehen. Immer wieder fuhren wir vorbei, aber die Einfahrt zum Hotel blieb aufgrund der Undurchsichtigkeit des Highway-Systems rund um den Flughafen Newark vorerst unentdeckt. Nach einer ca. halbstündigen Irrfahrt landen wir endlich im Hotel. Tammy verteilt die Zimmerkarten, die Kids teilen sich auf und dann geht es gegen 12 Uhr nachts endlich ab in die Federn.
Wie vermutet, wird dies keine sonderlich lange Nacht, denn um 8.30 Uhr geht es am nächsten Morgen schon weiter. D.h. der Wecker klingelt um 7 Uhr, fertig machen, schnell frühstücken, und dann steht Sean mit seinem Bus schon wieder vor der Tür, um uns abzuholen. Die Kids scheinen aber ziemlich fit zu sein und freuen sich auf die Unternehmungen des Tages. Unsere Tour heute beginnt am Rockefeller Center direkt an der 5th Avenue. Hier haben wir ca. 2 Stunden Zeit die Gegend zu erkunden. Die Kids entschwinden in alle Richtungen und Tammy und ich machen uns auf den Weg entlang der Fifth Avenue hoch Richtung Central Park. Auf dem Weg besichtigen wir die größte im neogotischen Stil gebaute katholische Kathedrale der USA – die St. Patrick’s Cathedral – bewundern den 129-karätigen „Tiffany Diamonds“ bei Tiffany’s und entdecken sogar einen Wasserfalls mitten in Manhattan. Im Anschluss bestaunen wir noch den komplett in Gold ausgestatteten Trump Tower und essen ein Eis im Central Park bei Jazz Musik, bevor wir die Truppe am Denkmal für die verstorbenen Seeleute der USS Maine, direkt am Eingang des Central Parks, wieder treffen. Einige der Kids haben die Zeit auf der Fifth Avenue wirklich genutzt und haben in dem ein oder anderen Laden ein wenig geshoppt.
Und schon geht’s wieder in den Bus zu unserer nächsten Station an diesem Tag – „The Met“ – das Metropolitan Museum of Art. Hier finden wir Exponate aus der Steinzeit bis hin zu gegenwärtiger Kunst und neben amerikanischer Kunst auch umfangreiche Werke aus aller Herren Länder, wie z.B. Ägypten, Afrika, Asien oder dem Mittleren Osten - es ist also für jeden etwas dabei. Da die Zeit viel zu kurz ist, um sich alles anzuschauen - man bräuchte wohl Tage, um wirklich das komplette Museum zu erkunden - pickt man sich jetzt nur schnell die für sich interessanten Dinge heraus. Somit wäre der Punkt Kultur auch abgehakt.
Weiter geht es danach zum allseits bekannten Times Square und dem Broadway. Auch wenn wir quasi mitten am Tag da sind ist die Helligkeit der ganzen Leuchtreklamen einfach atemberaubend. So lassen wir den Kids wieder ein wenig Zeit selber die Gegend zu erkunden und auch Tammy und ich ziehen wieder gemeinsam los. Wir schauen uns das Riesenrad bei „Toys“R“us“ an und sehen sogar den berühmten „Naked Cowboy“. Danach machen wir es uns einen Moment auf dem erst kürzlich in eine Fußgängerzone umgebauten Teil des Broadways auf zwei Stühlen gemütlich und lassen uns von der Atmosphäre einfangen – dieses Fleckchen Erde ist trotz seiner Massen an Leuten und Autos einfach außergewöhnlich.
Nach guten 90 Minuten treffen wir uns mit der Truppe dann vor’m Hard Rock Cafe und gehen dort auch einen Happen essen – sehr lecker! Im Anschluss folgt mein persönliches Highlight der Orientierung, die Broadway-Show „Shrek“. Auch die Kids waren ganz gespannt, denn so eine Broadway-Show bekommt man ja auch nicht alle Tage zu sehen. Die Show war einfach nur toll … die Musik und Darsteller waren einmalig und witzig war das Ganze noch dazu! Auch von den Kids höre ich hinterher nur Begeisterung. Raus aus dem Theater sind wir umgeben von einem Lichtermeer, die ganzen Leuchtreklamen geben einem ein wenig den Eindruck als sei man fern ab der Realität. Man könnte meinen abends um 22 Uhr und noch dazu mitten in der Woche, wäre es weniger überlaufen auf den Straßen, aber dann war man noch nie am Times Square. Hier scheint es, als wären gerade erst alle aus ihren Häusern gekommen, denn wo man hinsieht sieht man nur Menschen und Autos – die New Yorker sind also eindeutig Nachtschwärmer.
Ein weiterer langer, aber sehr schöner Tag neigt sich dem Ende. Heute finden wir das Hotel gleich auf Anhieb und fallen erschöpft in unsere Betten.
Nach einer weiteren kurzen Nacht geht es am nächsten Morgen wieder um 08:30 Uhr mit dem Bus los in die Innenstadt, denn heute steht wieder einiges auf dem Programm. Unsere Tour beginnt heute in Little Italy und Chinatown, zwei weitere Viertel von Manhattan. Sean setzt uns am Rand von Chinatown ab, wir steigen aus dem Bus und werden überrannt von einem starken Fischgeruch. Ich frage mich, wie Menschen das schon am frühen Morgen ertragen können. Nun gut, wir machen uns dann auf Richtung Little Italy, welches über die letzten Jahre wohl ziemlich geschrumpft ist und quasi von Chinatown „aufgefressen“ wird. Da es noch ziemlich früh ist, sind viele Geschäfte leider noch geschlossen. Nichtsdestotrotz sieht man überall italienische Flaggen, Girlanden in den Landesfarben und hört hier und da ein wenig Italienisch. Zwei Straßen weiter stehen wir plötzlich schon mitten in Chinatown und dem wieder aufkeimenden Fischgeruch. Wir gehen vorbei an Läden mit undefinierbaren Gemüsesorten, Schaufenstern mit gegrillten Enten und Plastiktonnen mit Fröschen – ja, in Chinatown kann man tatsächlich lebende Frösche kaufen, was nicht nur ich, sondern auch die Kids ziemlich eklig finden. Aber gut, ist halt eine andere Kultur und es veranschaulicht nur wieder die multikulturelle Bevölkerung von New York City.
Für den frühen Nachmittag ist eine Bootstour auf dem East und Hudson River geplant, aber vorher wollen wir noch einen Abstecher auf die Brooklyn Bridge machen. Also raus aus Chinatown, vorbei am New York County Surpreme Court, dem Municipal Building – eines der größten Regierungsgebäude der Welt – und da ist sie schon, die allseits bekannte Brooklyn Bridge. Bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein „erklimmen“ wir die Brücke, am ersten Pfeiler angekommen, lassen wir den Kids ein wenig Zeit, um Fotos zu machen. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick auf die Manhattan Bridge und den South Street Seaport – einem historischen Viertel in Lower Manhattan unweit der Wall Street – von wo aus später auch unsere Bootstour starten soll. Hier findet man ganz Manhattan-untypisch einen Teil der ältesten Architektur der Stadt und eine der größten Ansammlungen von restaurierten Geschäftsgebäuden aus dem 19. Jahrhundert. Wir verweilen noch ein wenig auf der Brooklyn Bridge und lassen uns den Wind um die Nase blasen, bis wir uns dann schlussendlich auf den Weg Richtung South Street Seaport machen. Dort angekommen verteilen sich die Kids für die nächsten zwei Stunden wieder in alle Richtungen und nutzen die zahlreichen Shopping-Möglichkeiten. Denn neben der Geschichte bietet der South Street Seaport auch die Pier 17 Shopping-Mall und viele kleine Geschäfte, um seinen Geldbeutel zu erleichtern.
Tammy und ich essen noch eine Kleinigkeit bis wir die Truppe wieder treffen und uns auf den Weg zu unserer Bootstour machen. Um 14:00 Uhr legt das Boot dann ab. Zuerst fahren wir den East River hoch, unter der Brooklyn Bridge und Manhatten Bridge durch mit einem tollen Blick auf die East Side von Manhatten. Zurück Richtung Süden, an der Skyline vom Financial District vorbei – wo man im Übrigen noch heute die Lücke der nicht mehr vorhandenen Twin Towers deutlich erkennen kann – vorbei an der Freiheitsstatue und dann den Hudson River hoch gen Norden mit Blick auf das Empire State Building. Nach zwei Stunden endet die Bootsfahrt wieder am South Street Seaport, wo es einen fliegenden Wechsel der Tour Guides gibt – unser neuer Tour Guide heißt Gil und ist der Ehemann von Rose. Es gibt auch nicht viel Zeit zum Verschnaufen, denn schon geht es weiter zur Wall Street. Wir kommen vorbei am berühmten New York Stock Exchange, wie immer geschmückt mit der riesigen USA-Flagge und von dort aus geht es weiter zur im neugotischen Stil errichteten Trinity Church, eine der bekanntesten Kirchen New Yorks, auf deren Friedhof noch heute einige bekannten Persönlichkeiten der US-Gründungsgeschichte liegen u.a. Alexander Hamilton – Gündervater der Vereinigten Staaten. Von dort aus machen wir uns auf den Weg zu Ground Zero. Trotz der ganzen Baukräne und Absperrungen bereitet mir die Atmosphäre dort noch heute eine Gänsehaut. Auf dem Weg zum World Financial Center kommen wir auch an der Feuerwache 10 vorbei, 2006 wurde dort als offizielles Mahnmal eine Gedenkwand für die 343 getöteten Angehörigen der FDNY eingeweiht. Im World Financial Center angekommen, haben wir einen guten Blick auf die gesamte Baustelle und ich überlege, wie wohl alles vor den Anschlägen am 11. September 2009 aussah – irgendwie erscheint einem alles ein wenig irreal und die Vorstellungskraft lässt einen da echt im Stich, meine zumindest.
Wir verweilen ein wenig im World Financial Center, nicht nur, weil es draußen in Strömen regnet, sondern auch, weil unsere Füße einfach mal eine Pause benötigen. Nachdem der Regen ein wenig nachgelassen hat, machen wir uns auf zum Bus. Sean bringt uns dann zu Ben’s Deli, einem berühmten koscheren New Yorker Restaurant, wo wir die Auswahl zwischen leckeren und wirklich gut belegten Sandwiches, Burgern und Salat haben. Die Stimmung ist ausgelassen und alle sind hinterher gut gesättigt, aber auch völlig erschöpft. So sehen wir von Seans Vorschlag noch nach Jersey City zu fahren, um uns von dort die Manhattan Skyline anzuschauen ab und fahren nach einem anstrengenden, aber sehr schönem Tag ins Hotel. Dort wartet bereits Rose mit einem riesigen Schokokuchen mit seeehr viel Vanille-Frosting auf uns. Auch wenn die Kids noch ziemlich satt sind, probiert der ein oder andere ein Stück und größtenteils sind alle begeistert. Bei Kuchen und Soda sprechen wir also mit den Kids noch ein wenig über die letzten Tage und erklären ihnen den Ablauf für die morgige Abreise in ihre Gastfamilien. Man merkt, dass nun doch alle ein wenig aufgeregt, aber gleichzeitig so voller Vorfreude sind, was sie erwartet. Am nächsten Tag werden dann alle ihre neues Zuhause für die nächsten fünf oder zehn Monate kennen lernen.
Ein wirklich schöner und aufregender Aufenthalt geht nun zu Ende und im nächsten Moment sitze ich schon wieder im Flieger nach Deutschland, zurück in die Heimat, beschließe aber gleich, dass ich auch ein drittes Mal zurück kommen werde.