Schulalltag im Land der aufgehenden Sonne

In meiner ersten Fotoreportage auf dieser Website stelle ich meinen Schulalltag in Japan vor- mitsamt peinlicher Anfängerfehler! (und zusätzlich noch in chronologischer Reihenfolge)

Nachdem meine drei Wecker von 5:30 bis 6:10 geklingelt haben (jeder einzelne wird benötigt), beginnt der Tag mit einem Toast aus der Mikrowelle. Ist ja klar.

Nach dem Frühstück schreibe ich noch schnell die Vokabeln für den täglichen Test raus. Mit dem Blatt übe ich dann in der Bahn und im Klassenraum.

Auf dem Bild sieht man eine von den drei Bahnen, die ich täglich zur Schule nehme. Ich bin ein Schwächling und kann nicht lange stehen, deswegen fahre ich immer vor der rush hour los.

7:00: Auf geht's! Mit einem "Ittekimaaasu" verabschiede ich mich von meiner Familie und mache mich auf den Weg zur Bahn (ich bin als erste aus dem Haus)

Hier kann man meine Winteruniform, einen blauen Rock mit blauem Oberteil im Sailorlook (und mich) bewundern.

Es gibt noch zwei andere Uniformen: Die Sommeruniform (ein weißes Kleid, immer einmal im Monat besonders toll) und die Übergangsuniform, ein weißes Oberteil mit dem Winterrock.

Die Jungs tragen das ganze Jahr über einen Anzug, nur mal mit, und mal ohne Kravatte und Jackett.

Bahn Numero 1 fährt zwei Stationen bis zu meinem ersten Umstieg. Hier kann man niemals sitzen, weil Schüler aus dem ganzen Gebiet zum Knotenpunkt wollen. 

Besagter Umstieg erfolgt etwa 10 Minuten später in Form eines Tsunami aus Schuluniformen (Bilder sind hier eher schwer zu machen, also musste ich einen Ersatz finden)

Generell habe ich das Gefühl, dass Bahnstrecken in Japan im Vergleich zu meiner Heinatstadt in Deutschland einfach nur malerisch sind.

Und hier ist alles so gut organisiert, dass man, bevor die Bahn einfährt, an auf dem Boden markierten Bereichen anstehen kann. Die Bahn hält dann genau so, dass man vor den Türen steht.

Nach einem weiteren Umstieg komme ich dann an. Von der Station aus muss man etwa 5 Minuten laufen, um zur Bushaltestelle meiner Schule zu kommen.

Hier habe ich auf die harte Art gelernt, dass es eine 20 Minuten- Pause gibt, in der kein Bus fährt. Ich bin aber zum Glück so früh da, dass ich trotzdem noch pünktlich zum Unterricht komme.

UUUUuuuund... geschafft! Da jetzt im Bus die Wahl zwischen schlafen und Vokabeln lernen besteht, entscheide ich mich jedes mal falsch. Aber was soll man machen, immerhin muss ich im Unterricht später gut aufpassen können!

Der Bus kommt nach etwa 15 Minuten Fahrt an. Am Schultor wartet immer eine Lehrerstaffel, die jedes noch so schiefe Abzeichen und jede etwas zu lockere Kravatte notiert. Im Klassenraum angekommen, kann ich noch eine halbe Stunde lang lernen und essen. 

Auf dem Bild sieht man ein o- nigiri, das ist eine Reiskugel, die mit verschiedenen Dingen befüllt sein kann: Algen, Tunfisch oder (mein Favorit) umeboshi (ich glaube das sind vergorene Pflaumen, bin mir aber nicht sicher. Alle Japaner sind beeindruckt, dass man die wirklich essen kann).

Ich bin in in einer Klasse, die übersetzt "internationaler Kurs" heißen würde. Das heißt im Endeffekt, dass diese Klasse ein paar mehr Stunden Engliscv in der Woche hat und nächstes Jahr für einen Monat nach Kanada geht.

Und es gibt Vokabeltests. Jeden. Morgen.

Aber naja,  sha-nai, wie man hier in Osaka sagt. Immerhin lerne ich so mehr Japanisch (wenn auch eher unfreiwillig).

Der Test ist vorbei. Jetzt folgen 6, bzw. 7 Stunden Unterricht mit jeweils 10 Minuten Pause dazwischen. Ich habe eigentlich Spaß. Nur ginge es hier um meine zukünftige Karriere (und das tut es für Viele), würde ich echt nicht durchhalten.

 

Auf dem Foto haben wir die Kirschblüte für einen spontanen Fotoshoot genutzt. Findet die Blonde.

Schulschluss! Mein Club findet nur zweimal in der Woche statt, also kann ich oft früher nach Hause, als meine Klassenkameraden. Doof ist nur, dass sich Schüler der Junior-und Senior High School, sowie Grundschüler die Busse teilen. Rush Hour!!!

An den Clubtagen bin ich aber hier: Im Kalligrafieraum meiner Schule. Japanische Kalligrafie, auch shodou, habe ich bei meiner Orientierung am ersten Schultag für mich entdeckt und es ist so unglaublich entspannend!

Ich bin wirklich froh, diesen Club ausgewählt zu haben.

Hier gibt es aber auch regelmäßig Klassenausflüge. 

Auf diesem Bild sieht man meine Klasse nach einer Exkursion zum Schloss von Osaka.

Wir sollten in Gruppen herumlaufen und Ausländer zu ihrem Aufenthalt in Japan befragen. Es hat zwar geregnet und mein Regenschirm war kaputt, trotzdem war das aber der lustigste Ausflug für mich seit langem.

Wenn ich noch einmal gefragt werde, ob ich hier jeden Tag Sushi esse, drehe ich durch. 

 

Was isst man denn hier so? Die Antwort ist: Reis!

Mindestens zum Abendessen gibt es immer eine Schüssel davon, traditionell auch zum Frühstück und Mittagessen. Und weil Reis wie wir ihn kennen ja nun etwas schwer mit Stäbchen zu essen ist, wird immer "Klebreis" serviert. 

Den kann man dann ganz einfach in kleinen Klößen essen. Und eine ganz wichtige Regel: Man muss immer auch das allerletzte Reiskorn aufessen, sonst gilt das als Beleidigung für den Koch (/meine Gastmutter) und das wollen wir ja nicht.

Genauso essenziell wie Reis ist in Japan die Miso- Suppe. Ich glaube, das ist sowas wie Fischbrühe, aber da bin ich mir nicht wirklich sicher. Auf jeden Fall ist es eine klare Suppe, in die Tofuwürfel und Nori (Algen), manchmal auch Kartoffeln oder anderes Gemüse geschmissen werden. Und wirklich: Das ist sooo lecker! Auch diese Suppe gibt es (traditionell) zum Frühstück, Mittag- und Abendessen aber meine Familie lässt ersteres aus und isst statt dessen Toast oder Müsli.

Was auch fast immer am Start ist: Tofu. Und zwar in allen möglichen Varianten. Es gibt Tofu gebraten, gekocht und - ich bin mir nicht sicher, aber es schmeckt so - roh. Ich komme eigentlich mit allem klar, nur, wenn da so ein roher Block Tofu auf meinem Teller ist, muss ich mich 

Beliebte Nudelgerichte sind hier Ramen, Soba (dünne Nudeln) und Udon (die super dicke Variante). Nudeln gibt es aber auch gebraten, anstatt in Suppe. Schlürfen ist bei diesen Gerichten erlaubt aber man sollte es natürlich nicht übertreiben...

Kommen wir zu dem einzigen Gericht in Japan, das ich nicht aufgegessen habe: Nato.

Vielleicht hast du ja schon davon gehört: Nato sind vergammelte (fermentierte hört sich einfach nicht schlimm genug an) Sojabohnen, die aufgrund ihrer Verarbeitung einen Schleimmantel entwickelt haben und genauso riechen, wie du dir das gerade vorstellst. Geschmacklich geht es sogar ganz gut aber man hat danach beim Atmen so einen flüchtigen Fäkalgeschmack im Mund. 

Also wie man eventuell heraushört war das nicht so mein Ding ABER: Man sollte sich trotzdem mal trauen und es ausprobieren, weil es nämlich

1. Leute gibt, die Nato mögen und es

2. lustig ist, mit den anderen Japanern zusammen zu leiden.

Japan ist bekannt für seine heißen Quellen, die Onsen. In dem Quellwasser sind oft verschiedenste Mineralien gelöst, denen heilende Kräfte nachgesagt werden.

Baden hat hier eine alte Tradition und ein elementarer Bestandteil der Kultur dieses Landes. Es wird geglaubt, dass tägliches Baden in heißem Wasser einer der Faktoren für die hohe durchschnittliche Lebenserwartung der Japaner ist.

Im Land der aufgehenden Sonne besitzt eigentlich jeder Haushalt eine Badewanne, die tagtäglich genutzt wird. Die ganze Familie teilt sich das Wasser eines Abends, deswegen wir vor dem Baden geduscht.

 

Duschen tut man auf einem kleinen Schemel sitzend. Oft kann man nicht nur den Duschkopf verwenden, sondern auch Wasser in eine Schüssel laufen lassen und sich die dann überkippen. Eine eigentliche "Dusche" gibt es aber auch nicht wirklich, der ganze Raum ist einfach wasserdicht abgeschottet, sodass man keine Grenzen hat, was das verschütten von Wasser angeht.

Hat man sich gründlich gereinigt, steigt man danach für (in meinem Fall) etwa 6 Minuten in die Wanne und kann nach einem anstrengenden Tag endlich mal tiefenentspannen.

Wenn ich allerdings diese 6 Minuten überschreite, kann ich spüren, wie mindestens zwei Hautschichten unter Wasser entflammen und ich langsam lebendig gekocht werde. Ansonsten bin ich aber Fan vom "O-Furo", wie das Bad hier genannt wird. Danach fühlt man sich nämlich wie in einen warmen Mantel gehüllt und ich könnte schwören, dass meine Haut reiner geworden ist, seit ich hier angekommen bin.