(Schul-)Alltag in Kanada

In dieser Reportage beschreibe ich meinen Schulalltag hier in Fredericton, New Brunswick :)

Mein Wecker klingelt um 6.30 Uhr. Ich stehe auf, mache mich fertig und esse dann, als einzige in der Familie, Frühstück. Ich glaube, die Kanadier haben es generell nicht so mit dem gemeinsamen Frühstücken, in meiner Gastfamilie jedenfalls nimmt sich außer mir jeder einfach eine Kleinigkeit auf die Hand, bevor er das Haus verlässt.

Wie dem auch sei, um 7.30 Uhr verlasse ich schließlich gemeinsam mit meiner Gastschwester das Haus und wir laufen zusammen zur 300 Meter entfernten Bushaltestelle. 5 Minuten später steigen wir dann in einen dieser typischen gelben Schulbusse.

 

Die Fahrt dauert je nach Verkehr zwischen 30 und 50 Minuten. Mein Bus muss erst noch kleinere Kinder zu einer anderen Schule bringen und steht dann eigentlich immer im Stau. Das liegt daran, dass ich auf der Nordseite der Stadt wohne, es nur zwei Brücken über den Fluss gibt, und die allermeisten Menschen der Nordseite auf der Südseite arbeiten und dementsprechend morgens eine dieser zwei Brücken überqueren müssen. Dementsprechend voll ist es auf den Straßen. Wenn man es dann allerdings auf die Brücke geschafft hat, wird man meistens mit einem tollen Ausblick auf den Fluss belohnt.

Ob nach 30 oder 50 Minuten, irgendwann kommt auch mein Bus bei meiner Schule, der École Sainte-Anne, an. Meistens stehen dann schon bis zu fünfzehn andere Busse auf dem Busparkplatz, denn von den knapp 650 Schülern nehmen eigentlich alle den Bus. Einige ältere Schüler fahren sich selbst mit dem Auto zur Schule, aber mit dem Fahrrad, wie ich es aus Deutschland gewohnt bin, kommt hier keiner.

Der Unterricht beginnt um 8.45 Uhr. Um 8.25 Uhr werden wir aus den Bussen gelassen (vorher darf keiner ins Schulgebäude) und ich begebe mich auf direktem Weg zu meinem Locker. Jeder Schüler hat hier einen, denn es ist nicht erlaubt, die Rücksäcke mit in die Klassenräumer zu nehmen. Keine Ahnung wieso, ich nehme mal an, Angst vor Terror, entstanden durch die Nähe zu den USA. Wie dem auch sei, diese Regel führt auf jeden Fall dazu, dass alle Schüler immer mit einem Arm voll Sachen durch die Gänge laufen, was ich in den ersten Tagen echt ein wenig seltsam fand, aber naja, man gewöhnt sich ja an alles ;)

Um 8.45 Uhr sitze ich dann im Matheunterricht. Jeden Morgen hören wir uns die Lautsprecheransagen für den Tag an (wichtige Termine und Events und so) und montags stehen danach auch noch alle für die Nationalhymne auf. Dann beginnt der Unterricht. Wie gesagt, meine erste Stunde ist Mathe und das nicht nur montags, sondern jeden Tag. Das Schulsystem hier ist nämlich etwas anders aufgebaut als in Deutschland.

Jeder Schüler hat pro Halbjahr fünf verschiedene Kurse (ich glaube in anderen Teilen Kanadas können es auch 6 oder 4 sein), die er mehr oder weniger frei wählen kann. Diese Kurse hat man dann jeden Tag in der gleichen Reihenfolge. Das klingt zwar erstmal langweilig, hat aber den Vorteil, dass man sich mehr auf seine einzelnen Fächer konzentrieren kann und es weniger Hausaufgaben gibt. Ende Januar bekommt man dann fünf neue Kurse. Auf dem Foto sieht man meinen jetzigen Stundenplan.

Gegen zwölf Uhr habe ich dann eine Stunde Mittagspause. Man trifft sich mit seinen Freunden und wärmt sich sein Essen in einer der vielen Mikrowellen auf. Die meisten Schüler bringen ihr Essen in einer Lunchbox (Foto) von zuhause mit, es gibt aber auch die Möglichkeit, sich etwas in der Cafeteria zu kaufen.

Danach beginnt der Nachmittag. Ich habe Musik und Englisch, die beiden besten Kurse des Tages, und um 15.40 Uhr ist endlich Schulschluss. Endlich, weil ich so einen langen Schultag aus Deutschland nicht gewohnt war und mir das vor allem am Anfang echt sehr lang vorkam. Wie dem auch sei, die meisten Schüler nehmen jetzt direkt wieder den Bus nach Hause. Es besteht allerdings die Möglichkeit, an außerschulischen Aktivitäten teilzunehmen. Es gibt verschiedene Clubs: Theater, Debating oder Art zum Beispiel, und natürlich die Sportteams der Schule. Ich spiele im Soccerteam der Schule, habe zweimal die Woche Training und kann es generell sehr weiterempfehlen, sich einem Sportteam anzuschließen – es ist echt eine gute Möglichkeit, Leute kennenzulernen :)

Doch auch Schüler, die nicht selbst in einem Sportteam spielen wollen, oder sich für einen der Clubs interessieren, können am Highschool-Leben teilhaben, denn die Sportler freuen sich immer über Fans bei ihren Partien gegen andere Schulen. Sehr beliebt an meiner Schule sind die Footballspiele der Jungs, meistens Freitagabends, zu denen echt viele Schüler zum anfeuern kommen. Man zieht sich in den Schulfarben an, kauft sich einen Kakao gegen die Kälte, schaut beim Spiel zu und kommt ganz nebenbei mit neuen Leuten ins Gespräch.

Natürlich gibt es nicht jeden Tag außerschulische Aktivitäten und normalerweise nehme auch ich nach der Schule den Bus. Der Rückweg dauert nur 20 Minuten (da kein Verkehr) und so bin ich gegen viertel nach vier Zuhause. Ich mache Hausaufgaben, lese, oder worauf ich sonst gerade Lust habe und um 18.00 Uhr gibt es dann Dinner, die größte Mahlzeit des Tages.

Traditionell viel Fleisch, aber auch Reis, Kartoffeln und Nudeln werden oft gekocht. Generell unterscheidet sich das Essen hier eigentlich nicht so sehr vom Deutschen.

Schlussendlich neigt sich der Tag dem Ende zu. Meine Gastfamilie schaut oft noch Fernsehen, während ich mich meistens auf mein Zimmer zurückziehe. Gegen 22.00 Uhr gehen dann alle ins Bett.