Einfach mal nach Japan

Moin aus Fukuoka! Was sind die Tücken den japanischen Lebens? Wie wird man in Japan empfangen? Wer kann es euch verraten, wenn nicht dieser Blog? - lasst dich entführen in eine andere Welt

Moin aus Fukuoka,

in diesem Blog werde ich meinen Japanaufenthalt in Fukuoka beschreiben.

Ich heiße Alex und komme aus Hamburg. Japanisch lerne ich seit der dritten

Klasse, damals interessierten mich humanoide Roboter. Ich habe nun gerade

mein Abi hinter mich gebracht und bin nach Japan zu gereist, um die Sprache

richtig zu lernen.

 

1. Ankunft

 

Der Fukuokaer Flughafen ist sehr klein, so war es kein Problem, die einzige

Person mit einem Schild auszumachen, die mich abholen gekommen war. Es

war Sumisan - die Köchin des Wohnheims. San ist dabei das höfliche Anhängsel

für eine Person, wie Herr oder Frau. Nachdem wir uns begrüßt hatten, ging es

schon mit dem Auto zum Wohnheim. Nun konnten meine Japantischkenntnisse

Anwendung finden und ich fragte jede Menge, wie es im Wohnheim so abläuft.

Dann waren wir auch schon in Fukoudaimae angekommen, so heißt auch die

Bahnstation, die keine 5 Minuten entfernt ist.

Hier wird man freundlich empfangen

 

An diesem Tag habe ich im Halbschlaf noch viele nette Leute kennengelernt,

die Abendessenszeiten sind nämlich einheitlich von 19:30-22 Uhr und so lernte

ich Xaver, einen Schüler, und zwei Japanischlehrer kennen. Nach einer

Nudelsuppe und weiteren kleinen Gerichten, mal süß mal sauer, ging ich dann

in mein Zimmer schlafen.

Gleich in der Nähe das FIT (Fukuoka Institute of Technology)

 

Den nächsten Tag machte ich mich nun auf um die Umgebung etwas näher zu

erkunden. Ganz in der näher sind ein wunderschöner Park, ein Schrein, ein

Supermarkt und die Fukoudaimae-Station.

So kann ein Überblick vom Wohngelände aussehen

 

Im Wohnheim redet man viel und spielt abends auch mal das eine oder andere

Spiel. Dann gehen alle in die Betten und werden von ihren

Willkommensschildern begrüßt. Jeder der im Wohnheim anwesenden bekommt

eines. Man findet es immer neben seiner Tür, so kann man sich die japanischen

Namen der anderen anschauen und das Zimmer eines Mitbewohners finden.

Immer herzlich begrüßt vom Willkommensschild

 

2. Bahnfahren in Japan

 

Am nächsten Tag ging es darum seinen Horizont zu erweitern und einmal

allein oder gemeinsam mit einem anderen Schüler den Weg zur Schule

auszukundschaften. Als wir jedoch in der Metro unser Ticket gekauft und durch

die Kontrolle gegangen waren, gibt es nämlich keine weitere Karte, die uns den

Weg erklärt hätte. Unter den vielen Kanji mussten wir schon selbst die für uns

zutreffenden finden. Wie gut, dass die Okaasan uns vorher das Gleis verriet

und wir den Plan rechtzeitig abfotografiert hatten. Das Wort Okaasan heißt

Mutter, wird aber in diesem Kontext als Mutter des Hauses verwendet, sie

selber meint immer eine Obaasan zu sein, als die Großmutter des Hauses.

Alles schün übersichtlich auf einer Karte

Rot markiert ist die Station bei der man sich gerade befindet. Die Zahlen die

darüber stehen, sind die Preise. Zum Hakata Bahnhof sind es z.B. 280 Yen.

Unten erwartete uns dann nur noch die Anzeige wann die Züge ankommen.

Zum Glück kann man von Fukodaimae nach Hakata jeden Zug nehmen

Dabei stehen die blauen Zeiten für Schnellzüge, die anderen beiden halten an

jeder Station. Da Hakata eine große Station ist, wird sie von allen Zügen

befahren und ist ein idealer Bahnhof zum Umsteigen in alle Richtungen. Doch

muss man beim Rückweg herausfinden, an welchem Gleis man ankommt.

Sehr ausländerfreundliches Namenschild

Jeder Bahnhof hat Namensschilder in Hiragana, in Lateinischen Buchstaben und

darunter noch in Kanji, den schwierigeren Japanischen Zeichen, von denen man

über 400 können muss, um eine Zeitung ansatzweise lesen zu können.

Von Fukodaimae bis Hakata und überall aussteigen können

Eine Karte von Fukousandaimae nach Hakata kostet wie oben schon erklärt nur

280 Yen, da es eine relativ kurze Strecke ist, aber auch da kann sich eine

Monatskarte bereits lohnen. Monatskarten sind hier an Stationen

gebunden, lohnen sich aber immer: Meine war für 8730 Yen zu haben.

Wartest auf den Zug und hast Hunger, kein Problem in Japan

Manchmal hat man auf dem Bahnsteig auch eine Laden, bei dem man meist

Essen einkaufen kann. Auf dem Bild zum Beispiel nimmt man sich das Essen

einfach aus den Kühlschränken, dann wird ein Ton ausgelöst und man bezahlt

anschließend.

 

Schrecken bei einer Bahnfahrt

 

Das Japanische Zugnetzwerk ist normalerweise sehr zuverlässig, doch der eine

oder andere Schock kann den einen oder anderen Ausländer schon überraschen.

Damit ist nicht nur gemeint, dass die Züge in den Hauptverkehrszeiten sehr voll

sind und man es gerade noch irgendwie schafft, mit einigen anderen aus der Tür

zu kommen. Außerdem muss man aufpassen, welche Station angesagt wird,

falls man mit einer Bahn fährt die keine Anzeige hat. Es kann sein, dass für

mehrere Stunden die Bahn ausfällt, als z.B. in einer benachbarten Gegend ein

Erbeben aufgetreten war. So strömen erst einmal Massen aus dem Bahnhof

wieder heraus, doch es ist schlauer zu bleiben, da auch schon kurze Strecken

lange Fußmärsche in Anspruch nehmen und das Bussytem ebenfalls sehr lange

benötigt. So bald wie möglich fahren die Züge wie gewohnt, man hat dann

eben ca. 1 Stunde Verspätung und musste lange in der Schlange stehen.

3. Der Unterricht

 

Hinter diesen verspieglenten Scheiben ist das japanische Wissen verborgen

Am Montag fing für mich der Unterricht an. Nach einem kleinen Interview

wurde ich dann meiner Klasse zugeteilt. Am Anfang wurde alles auf

Englisch erklärt, doch die optionale Tour, um die Umgebung ein bisschen

besser kennenzulernen, war bereits auf Japanisch. Bei dieser Gelegenheit

konnte ich mir aber mit der Monatskarte helfen lassen. Das war auch eine

gute Gelegenheit, weiter mein Japanisch auszuprobieren und zu testen wie

gut man sich in Japanisch unterhalten kann.

Ein seltener Anblick, der leere Lobbyraum

Im Vorraum kann man sich zu trinken holen. Hier wird am Mittag auch häufig

gegessen, manche unterhalten sich hier, während sie auf den Unterricht

warten. Dort wird ein Mix aus verschiedensten Sprachen gesprochen, man kann

aber jeden auf Japanisch oder Englisch ansprechen und er wird auch in der

selben Sprache antworten. Der Unterricht selbst findet im 4- 6 Stock statt.

Wenn man nicht den Unterrichtsraum als erstes betritt, begrüßt man alle mit

einem herzhaften Ohaiyo (jap. Guten Morgen) oder Konichiwa (jap. Guten

Mittag). Dann wartet man, bis der Unterricht startet und die Lehrkraft den

Raum betritt.

Einer von vielen der Unterrichtsräume

Nun kommt es sehr auf den Lehrer an, wie er seinen Unterricht gestaltet,

doch es gibt mehrere Gebiete die man beackert: Kanji, beziehungsweise

das Schreiben allgemein, Hörverständnis, Vokabeln, Grammatik oder Sprechen.

Das alles gibt es dann auf vielen Schwierigkeiten und man lernt immer

wieder Neues dazu. Es ist auch möglich, mehr Stunden zu nehmen oder

in einen höheren Kurs zu wechseln.

4. Schulfestival

Solange man noch im Schulalter ist, kann ich empfehlen, in Japan ein

Schulfestival zu besuchen. Dabei muss gesagt werden, dass diese Feste

sehr viel extravaganter ausfallen als vergleichsweise in Deutschland.

Was bei uns die Oberstufe ist, wird in Japan der sogenannten Koukou

zugeordnet. Das ist eine eigene Schule mit ihren eigenen Zeiten.

Jeden Tag ist bis ca. 16:00 Unterricht und dann beginnen die Clubaktivitäten

und das private Lernen. Bei diesen Clubaktivitäten kann es sich um Sport,

Kunst oder vieles andere handeln, mit ca. 10 Clubs ist die Koukou, die ich

besucht habe eher sparsam ausgestattet. Doch die Clubzeit wird großzügig

ausgenutzt, zum Schulfestival stellt jede Klasse etwas Eigenes auf die Beine.

Einleitung des Festivals durch verschiedenste Autos

Und noch mehr Autos

Danach begann die eigentliche Veranstaltung. Es gab professionelle

Essenstände, jede Klasse trug dabei ein eigenes Klassen-T-shirt.

Freundlich wird man bei den Essenständen begrüßt

Jeder Essenstand hat nicht nur sein Schild, sondern wir auch von Leuten angepiesen

Nach der Begutachtung der Essensstände, besuchte ich die Klassenzimmer,

wenn man sie denn noch Klassenzimmer nennen kann. Jede Klasse hatte ihren

Raum einzigartig ausgestaltet, wenn auch Luftballons in Japan sehr beliebt zu

sein scheinen. Hier seht ihr eine kleine Auswahl:

Luftballons - in Japan immer gerne gesehen

Hier darf jeder das Bild um eine Stecknadel erweitern

Es heißt mit einer Drohne durch diese Ringe zu fliegen

Eins der vielen Tafelbilder leitet einen selbst erstellten Film ein

Es gab auch die Möglichkeit, sich mit Schülern zu unterhalten, zu fragen

und wieder zu testen wie gut das Japanisch geworden war. Dabei kann

man auch feststellen, dass die Leute mit denen man normaler Weise

spricht, nicht die durchschnittlichen Japaner sind. Sie sind schon geübt

darin Ausländer zu verstehen. Hier kann man aber nicht einfach das

fehlende Wort auf Englisch nachfragen.

5. Das „normale“ Leben

Nachdem man in Japan angekommen ist muss man eine ganze

Menge herausfinden, fragen und tun. Mit meinem Working-Holiday-

Visum musste ich mich z.B. noch bei der für den Wohnbereich

zuständigen Behörde melden und meinen konkrete Adresse angeben.

Doch irgendwann beginnt der Alltag, auch wenn man für viele Sachen,

die man im wohlbehüteten Elternhause nicht machen musste, jetzt

selbst verantwortlich ist.

 

Jeden Morgen erwartet uns ein vielfältiges Frühstück. Immer je eine

Schüssel Reis und eine Misosuppe in verschiedenen Variationen. Dazu

gibt es immer kleine Gerichte, die meist mit dem Reis zusammen

gegessen werden. Die Köchin lässt sich dabei jedes Mal etwas Neues

einfallen.

Ein normales Frühstück, immer lecker

Ab und zu auch einmal ein spezielleres Frühstück

Je nach Stundenplan hat man dann Freizeit oder geht gleich zur

Schule. Nun ist es je nach Tag unterschiedlich, wie viel man lernt

oder ob noch etwas anderes geplant ist. Der Haushalt muss

ebenfalls gemacht werden. Man kauft ein oder wirft die

Waschmaschine an. Davon gibt es genügend im Wohnheim, für 200

Yen fängt sich die Sentakuki zu drehen an. Waschpulver kann man

sich einfach nehmen.

Zum Trocknen gibt es viele Möglichkeiten im ganzen Haus verstreut.

Nachdem Bügeleisen (jap. Airon) muss man erst einmal fragen.

Am Abend sitzt man normalerweise mit dem anderen am Esstisch,

nachher wird manchmal noch eine Spielrunde angefangen. Danach geht

jeder auf sein Zimmer und macht was immer er gerade will. Nun heißt

es auch noch, ein Ofuro (jap. Bad) zu erwischen, die Bademöglichkeiten

sind begehrt, manche benutzen deshalb den Trick, vor dem Abendessen

dorthin ins Bad zu gehen.

6. Feiertage

In Japan wird viel gearbeitet, es gibt wenig Ferien und die werden auch

nur zur Hälfte in Anspruch genommen, weil man sonst der Firma untreu

ist. Aber Japaner haben sich andere kluge Sachen einfallen lassen, um

das zu kompensieren. In Japan gibt es viele Feiertag, die meistens auf

einen Montag verschoben werden. Beispielsweise hat der September

(2019) zwei Montagsfeiertage. Ein Fest findet dazu natürlich auch Stadt

z.B. war 16.9 ein Jinjaomazuri (jap. Schreinfest).

Ein paar Tage vorher kommen und das Fest noch relativ leer genießen - das war der Plan

Man sieht nur nicht so viel von dem Schrein wie man denkt, der

eigentliche Spaß besteht darin, die vielfältigen Läden zu bewundern, da

kommen aber nicht nur Touristen auf die Idee schon zwei Tage vor dem

eigentlichen Feiertag zu kommen. Wie man sieht ist Abends das Fest

schon im vollem Gange. Es gilt die verschiedenen kulinarischen Stände

zu bestaunen, aber auch andere Läden haben Einzug gefunden. Hier ein

paar Einblicke in die Vielfalt:

Stand an Stand an Stand an Stand an Stand

Wenn man in Schere, Stein, Papier gewinnt, dann gibt es zwei für 100 Yen

Traditionelle Masken - das war mal

Auch rohes Fleich gibt es hier

Hier gibt es alle Köstlichkeiten

Für jeden Wunsch gibt es hier eine Karte

Wenn man bemerkt, dass es ein Schreinfest war

Den Weg zurück findet man zur nächsten Station einfach, denn einem

strömen immer noch Massen entgegen, die auch noch ein Blick auf

das Fest werfen wollen.

 

Command:

Diese Reportage wird bald weitergeführt.

This reportage will be updated soon.