6 Monate High School Connect Programm in Fukuoka

Sprachschulaufenthalt in Fukuoka, Japan, von Sep 2018 bis Feb 2019 - Sechs Monate in einer belebten Unistadt Japanisch lernen, sowohl Stadt als auch Natur genießen und Kyushu erkunden

Von September 2018 bis Mitte Februar 2019 war ich für 6 Monate mit GLS in Fukuoka, einer Unistadt auf der südlichen japanischen Hauptinsel Kyushu. Im Gegensatz zu Tokyo ist Fukuoka zwar belebt, aber niemals überfüllt oder laut und punktet vor allem mit der Lage direkt am Meer und in unmittelbarer Nähe zu einigen Bergen - durch die Stadt ziehen sich, wie man auf dem Foto oben ja auch sehen kann, mehrere Flüsse, an deren Ufer jeden Abend Yatais (japanische Straßenrestaurants) aus dem Boden schießen und einem neben der Fukuoka-Spezialität Tonkotsu Ramen auch alle möglichen anderen japanischen und z.T. koreanische Köstlichkeiten anbieten.

Ein Yatai sieht dann ungefähr so aus.

Etwa 10 Leute passen meist etwas gequetscht an den Tresen, man bestellt, was man essen möchte und bezahlt zwischen ca. 500 und 800 Yen. Ob man Japanisch kann oder nicht, ist ziemlich egal - zur Not versucht es entweder der Besitzer oder einer der anderen Gäste mit etwas gebrochenem Englisch oder man verständigt sich eben mit Händen und Füßen. So oder so, schmeckt das Essen super und man wird auch ab und zu in einige Gespräche mit anderen Gästen verwickelt.

Was Fukuoka so schön zum Leben macht, ist, dass es eben neben den großen Straßen, Einkaufszentren und Nachtleben auch viele kleine Dinge zu entdecken gibt. Sowohl kleine Geschäfte als auch schnuckelige Cafés. Nicht zu vergessen ist 博多弁 (Hakata-Ben), der hiesige Dialekt, der einem mit Begeisterung von allen Seiten beigebracht wird und der sowohl Spaß zu sprechen als auch zu hören macht. Meine beste Entdeckung in den sechs Monaten war ein winzig kleines Café in der Nähe von Yakuin Station (ca.20 min zu Fuß von der Sprachschule entfernt), in das nicht mehr als sieben Leute bequem und zehn Leute gedrängt passen und wo man während leisen Gesprächen mit anderen Gästen oder der Angestellten den absolut göttlichen, frisch zubereiteten Chai genießen konnte. 

Deswegen eine Empfehlung an alle: Man kann zwar den super praktischen, immer pünktlichen (und im Vergleich zu Deutschland wie geleckt sauberen) Nahverkehr genießen, um schnell von A nach B zu kommen, die wirklich netten Cafés und Geschäfte finden sich aber eher zufällig auf etwas kurvigen Wegen durch kleinere Straßen. Und gewöhnt man sich zu sehr an den Luxus eines wirklich funktionierenden Nahverkehrs, verzweifelt man nach der Rückkehr ein bisschen am chaotischen, stets "um wenige Minuten" verspäteten deutschen....

 

Wie oben bereits am Rande erwähnt, war ich an einer Sprachschule in Fukuoka und habe dort werktags je vier Stunden Unterricht genommen. Genki JACS (Akr. für Genki Japanese and Culture School) befindet sich etwa 7 min von der zentralen Hakata Station entfernt und ist in einem fünfstöckigen Gebäude untergebracht, dessen Räumlichkeiten abends von einer lokalen Englischschule genutzt werden.

Am ersten Tag hat man mit einem Lehrer ein kleines Interview auf Japanisch, um dann in Klassen einsortiert zu werden. Zwar klingt das erstmal gruselig, ist aber überhaupt nicht schlimm und auch wenn man noch gar kein Japanisch kann, soll es nicht schlimm sein. Alle Lehrer können zu einem gewissen Grad Englisch, wobei aber mit steigendem Japanischlevel, das Englischlevel der Lehrer z.T. abnimmt. Für die verschiedenen Level greift Genki JACS auf verschiedene Lehrbücher zurück, die man von der Schule neben diversen Handouts und Übungen bekommt. Der Unterricht ist sehr interaktiv und für Beginner vor allem auf Sprechen und Hörverstehen ausgelegt, erst in höheren Sprachlevels verschiebt sich der Fokus auch auf Schreiben. Fast jede Woche verändert sich die Klassenkonstellation, wenn alte Schüler gehen und neue dazukommen, aber trotzdem schaffen es die Lehrer, die Klasse gemeinsam voranzubringen. An dieser Stelle muss man auch die Begabung der meisten Lehrer anmerken, die so gut wie alle Sachverhalte mit ein paar Strichen auf eine comicartige Weise darstellen können, die auch den in Verwirrung verzweifelsten Schüler nicht nur zum Grinsen bringt, sondern auch jegliche Verwirrung löst. Alle paar Wochen bzw. Lehrbuchkapitel gibt es einen Test, um eigene Schwachstellen zu finden, bei dem von Kanji über Vokabeln, Grammatik, Hörverstehen auch Sprechen drankommen. Ab und zu gibts auch Präsentation über verschiedene Themen und regelmäßig schreibt man kleinere Aufsätze. Die Unterrichtsatmosphäre bleibt trotzdem immer sehr entspannt und auch das Verhältnis zu den Lehrern ist (für Japan sehr sehr untypisch) im Allgemeinen sehr vertraut und locker.

Man sollte sich vorher vermutlich bewusst machen, dass es trotz der diversen Freizeitangebote doch eben ein Sprachschulaufenthalt ist und man dementsprechend auch bereit sein muss, außerhalb des Unterrichts Hausaufgaben zu machen oder Vokabeln und Kanji zu wiederholen. Zumindest wenn man sich wirklich verbessern will. Der Unterricht ist von hoher Qualität, aber eine Sprache fliegt einem nicht einfach so zu - gerade im Falle von Japanisch kommt man beim Kanji-Lernen ohne ein fotografisches Gedächtnis nicht um ein bisschen Selbststudium drumrum. Das soll aber nicht heißen, dass die Lehrer streng sind - ganz im Gegenteil haben sie eigentlich immer Verständnis dafür, wenn man mal etwas vergessen, nicht gemacht oder schlichtweg nicht geschafft hat. Und wenn man in seinem Japanisch-Studium nicht übermäßig ehrgeizig ist, kommt man auch ohne große Lernerei ohne Probleme durch den Schulalltag. Falls der Unterricht einem zu schwer ist (oder wird) kann man auch immer mit den Lehrern sprechen und zusammen eine Lösung finden.

Generell kann man sich bei Fragen oder Problemen auch immer an die Rezeption wenden, die zur Not auch exzellentes Englisch spricht. 

Neben dem Unterricht bietet Genki auch immer verschiedene (kostenlose (^.^)) Events an, bei denen man mit Japanern in Kontakt kommen kann, oder (und) Fukuoka erkunden kann. Dazu gehören u.a. ein wöchentlichen Besuch zum Englisch-Club der nahegelegenen Jungs-Highschool oder die sogenannte Lounge, die GenkiJACS in Kooperation mit der Englischschule im gleichen Gebäude zweimal die Woche veranstaltet und bei der man mit Englisch-lernenden Japanern rumhängen, quatschen und (falls einem jemals langweilig werden sollte) Spiele spielen kann. Darüber habe ich in 6 Monaten einen Haufen sehr verschiedener Leute kennengelernt, mit denen man sich dann auch so öfter mal treffen kann.

 

Mit 2 Jungs aus der Highschool und einer niederländischen Freundin haben wir z.B. einmal einen Wanderausflug auf einen der umliegenden Berge unternommen, um von oben ganz Fukuoka überblicken zu können...

... oder ein japanischer Kumpel hat mich auf einen Ausflug in die benachbarte Saga Präfektur eingeladen. Dort haben wir den beeindruckenden und unter rotem Herbstlaub wunderschönen Yutoku Schrein besucht...

... und fanden uns kurz darauf in einer japanischen Nachbildung des deutschen Zwingers und eines französischen Gartens wieder. Σ(o_O)

Ein anderes Mal sind wir in die Nagasaki Präfektur gefahren und haben u.a. die sog. Unzen Jigoku, heiße Schwefelquellen besucht. 

Ein anderes Angebot von GenkiJACS ist auch das Language Exchange Partner Program, eine Art Tandempartnersystem, durch das man Japaner kennen lernen kann, die entweder selbst Englisch oder eine andere Sprache lernen wollen oder gerne anderen beim Japanisch Lernen unterstützen wollen. Ich habe darüber eine Studentin kennengelernt, mit der ich mich mehrfach getroffen und in schnuckelige Cafés gegangen bin. Das war jedes Mal intesives Japanisch-Training, da ich mit ihr jedes Mal mehrere Stunden am Stück zu zweit auf Japanisch geredet habe. Zwar redet man natürlich auch so im Alltag sehr viel Japanisch, da man aber eben auch mit anderen Ausländern oft zusammen rumhängt, gleitet man auch mal ins Englische ab. 

Japan gehört ja bekanntermaßen zu den Ländern mit den meisten nationalen Feiertagen, sodass immer mal ein schulfreier Tag um die Ecke kommt. In diesem Fall organisiert die Sprachschule immer ein Event, was meist ein kostenloser Ausflug in verschiedenste Orte in Kyushu ist. 

Zum Beispiel sind wir einmal (streng genommen zweimal) durch Höhlen geklettert,....

... durften über die Bühne und hinter die Kulissen eins der größten komplett aus Holz gebauten Kabuki-Theater,...

...oder haben das Aquarium Fukuokas besucht, ...

... um abends dann durch eine Parkillumination zu spazieren,...

... oder sind zum Lights Festival nach Nagasaki gefahren.

Nach Neujahr hieß es dann 餅つき (Mochi Tsuki) - selbst Reis zu der klebrigen Mochimasse zerstampfen und dann gemeinsam zu kleinen Bällchen formen.

Um danach natürlich so viele Mochi zu essen, bis einem quasi schlecht wird. Und einem der Lehrer den Begriff "food coma" auf Japanisch (versuchen zu) erklären. (* ^ ω ^)

In einem halben Jahr bekommt auch so einiges an Festlichkeiten mit, wobei es sich immer lohnt, sich von Japanern herumzuführen zu lassen. So landet man dann z.B. zu Halloween im überfüllten Kego Park, wo man als kostümierter Ausländer zu Fotos mit verschiedensten Leuten in schrillsten Kostümen eingeladen wird,...

... oder man frisst sich an Essständen auf einem Fest voll,...

... oder besucht zu Neujahr mit gefühlt Zehntausenden von Japanern einen Schrein, um für Glück für das kommende Jahr zu beten.

 

Zwar lag der Fokus in diesem halben Jahr auf dem Erlernen von Japanisch, aber ich habe auch alle möglichen Leute getroffen und Freunde gefunden, japanische traditionelle und Populär-Kultur aus erster Hand erlebt und auch viel über andere Länder, Kulturen und Leute gelernt. Wer gerne Japanisch erlernen oder sein Japanisch verbessern möchte, dem kann ich diesen Sprachschulaufenthalt super empfehlen. Und vorrausgesetzt man hat keine Lust auf das hektische, gigantische Tokyo, sondern hat mehr Interesse an einem Leben in einer normal großen, lebendigen Stadt mit hoher Lebensqualität, der sollte auf jeden Fall Fukuoka in Erwägung ziehen.

Comments

Wie schön, zu lesen, dass es dir so gut gafallen hat! Ich bin beeindruckt von deiner Fülle an Erlebnissen und Unternehmungen. Herzlichen Dank für diesen interessanten Bericht, der Lust auf Fukuoka macht. LG Anja