Das Okanagan Valley gilt als das Kalikfornien von Kanada ...
Ich bin Corinna und in der GLS High School Abteilung zuständig für Schulaufenthalte in Kanada. Wir von GLS sind regelmäßig in Kanada, um Schulen anzusehen und den persönlichen Kontakt zu halten.
Bei meinem letzten Kanada-Besuch bin ich von Vancouver aus nach Kelowna (Google map) geflogen.
Unter uns liegen schneebedeckte Bergketten, und als wir in Kelowna landen, holt mich Rick Oliver, der Leiter des Schulbezirks, am Flughafen ab und macht eine kleine Tour mit mir.
Kelowna ist das drittgrößte Ballungszentrum in British Columbia (nach Vancouver und Victoria) und aufgrund seiner gemäßigten Temperaturen (im Winter um den Gefrierpunkt, im Sommer Mitte bis Ende zwanzig Grad), hat sich hier eine Wein- und Obstanbauindustrie etabliert und wächst die Gegend von den Einwohnerzahlen her überproportional im Vergleich zum Rest Kanadas.
Es gibt kaum Hochhäuser, sondern vorrangig Einfamilienhäuser und natürlich viele Geschäfte, die sich vor allem entlang der Highways ziehen (Strip Malls). Was es hier aber auch gibt, sind enorm viele Sportangebote. Eigentlich kann man hier jeden Sport betreiben, draußen, in einem der vielen kleinen Parks oder auch drinnen, in einem der vielen Recreation Center. Und natürlich sind auch die Berge zum Skifahren und Snowboarden nicht weit, allen voran „Big White“, der für seinen großartigen Puderschnee berühmt ist. Einige Gegenden Kelownas erstrecken sich in die umliegenden Berge und von dort hat man fantastische Blicke auf den See und die gegenüberliegende Seite.
Das Okanagan Valley ist Obstanbaugebiet, sogar die Stromkästen sind mit Äpfeln und Kirschen und Birnen bemalt. Der Ort bietet alles, was das Schülerherz begehrt und der Schulbezirk ist sehr ambitioniert und kümmert sich gut um seine Schüler. Rick Oliver scheint sie alle zu kennen, er macht seinen Job mit Herzblut.
Am Morgen treffe ich Rick Oliver und Marsha Boyle (die Homestay-Koordinatorin für Kelwona) sowie Ana Vallejos (Homestay-Koordinatorin für West Kelowna – MBSS).
Wichtig für viele deutsche Schüler: Der Schulbezirk kann Latein als Nachhilfeunterricht anbieten und wenn genug Schüler Interesse haben, sogar als Kurs. Sie haben zwei Lehrer, die potenziell Latein auch auf hohem Niveau unterrichten können.
Die erste Schule, die wir besuchen, ist auch gleich eine der beliebtesten: Kelowna Secondary School (KSS).
Dies ist die zweitgrößte der Schulen (1800 Schüler, grades 10 bis 12) und die zentralste. Derzeit wird hier noch nach dem linearen System unterrichtet, d. h. die Schüler haben acht Kurse durchlaufend das ganze Jahr über, das wird sich aber zum nächsten Jahr ändern und die Umstellung auf Semesterkurse erfolgen, allerdings nicht vollständig, sodass prinzipiell auch mehr als vier Kurse pro Semester belegt werden können. Die Schule ist bei internationalen Schülern sehr beliebt und da der Schulbezirk das Prinzip vertritt, nicht mehr als 1% jeder Nationalität an der Schule zuzulassen, sollte man mit der Anmeldung nicht zu lange warten!
Die Schule ist klasse: Offener, einladender Eingangsbereich, von dem man geradeaus gleich in die Sporthalle kommt. Rechts und links des Eingangsbereichs sind die Büros (Student Counselling, Principal’s Office etc.). Gerade findet ein Basketball-Wettkampf statt und die halbe Schule ist in den Schulfarben schwarz-gold angezogen. Sie unterstützen die KSS „Owls“. Und hier in der Sporthalle treffen wir Niklas, Nora und Nathalie, GLS Schüler, die hier schon ein halbes Jahr zur Schule gehen.
Alle drei sind sehr angetan von ihrer Schule und haben sich schnell integriert. Während eine akademisch anspruchsvolle Kurse besucht und sogar ihre deutschen Mathebücher mitgebracht hat, um sicherzustellen, dass sie auch den ganzen Stoff abdeckt, nutzt eine andere mehr das großartige Angebot der ganzen Wahlfächer.
Gefragt danach, was sie wichtig finden, neuen Schülern mit auf den Weg zu geben, sagen alle unisono, unbedingt selbst aktiv auf die Leute zugehen, dann schließt man auch schnell Freundschaften, aber sie kommen umgekehrt nicht zwangsläufig auf einen selbst zu. Den school spirit haben sie ebenfalls alle erwähnt. Das Gefühl, Teil der Gemeinschaft zu sein (was sich gerade jetzt wieder in den schwarz-goldenen Outfits zeigt), ist ein Highlight des Schulalltags in Kanada. Was das Schulische angeht, finden sie wichtig zu erwähnen, dass mündliche Beteiligung quasi keine Rolle spielt, sondern die Ergebnisse einzig von den Quizzes und Tests abhängen.
Die vielen Hausaufgaben in Mathe, im Vergleich zu anderen Fächern, wo es fast keine gibt, fanden sie auch bemerkenswert sowie den Fakt, dass sie die Fächer alle zwei Tage haben (mit dem neuen Semestersystem dann täglich). Als angenehm bewerten sie, dass die Schule erst um neun beginnt. Kostenbewusst meinten sie, dass der Fakt, dass wenn man alle der vielen Trips mitmachen will, man eine ganze Menge extra Geld einkalkulieren muss. Das betrifft z. B. Kurse wie Outdoor Education, bei den sich die optionalen Trips schnell summieren.
Aber wer will, kann auch kostengünstig durch die Kurse kommen. Textbook Fees gibt es keine, einzig Uniformkosten für Teams oder besondere Ausrüstung bzw. eigene Wünsche (wenn man z. B. statt der angebotenen Holzsorte lieber eine teurere für seine zu bauende Schatulle verwenden möchte). Natürlich wollen die Schüler aber gern an den Ausflügen teilnehmen, sodass Eltern das im Hinterkopf haben sollten. Ansonsten kommen die Schüler mit ca. 200 CAD im Monat ganz gut hin.
KSS ist akademisch gut aufgestellt und hat aufgrund der Größe der Schule auch ein großes Angebot an Wahlfächern. Alle Schulen verfügen über Theaterräume und Band, wobei KSS als einzige der Schulen auch ein eigenes Orchester hat.
Die Ausstattung der Schulen ist generell sehr gut. Alle haben einen Fitnessraum mit Geräten und Gewichten sowie tolle Bibliotheken (die an der KSS hat Blick auf die Berge durch riesige Panoramafenster).
Alle Schulen sind wireless und entsprechen gibt es klassensätzeweise Laptops, die im Unterricht genutzt werden. Electronic Whiteboards etc. sind auch sehr gängig.
Als nächstes fahren wir zur Okanagan Mission Secondary School (OKM).
Gelegen ist diese im Stadtteil Mission, in dem die Häuser teuer sind und entsprechend eher eine gehobene Mittelschicht wohnt. Bis zum letzten Jahr hat diese Schüler keine internationalen Schüler aufgenommen, da die Kapazitäten beschränkt waren. Jetzt wurde erweitert und internationale Schüler sind willkommen. Auf dem Flur treffen wir eine deutsche Schülerin, die gerade erst den vierten Tag da ist und noch etwas verloren und schüchtern wirkt. Rick nimmt sich ihrer aber gleich an und sie findet ihren Weg zum nächsten Kurs.
Musikraum
In einem Sciences Klassenzimmer sind an der Wand kartonweise neue Computer und anderes technisches Zubehör aufgereiht, darauf wartend, ausgepackt zu werden. Die Ausstattung ist wirklich gut. Hier gehen ca. 1000 Schüler zur Schule, Jahrgänge 8 bis 12, d. h. sie ist um einiges kleiner als KSS oder RSS. Aber auch hier gibt es diverse Academies, Hockey, Schwimmen, Kunst und Fußball. Eine Schwimmhalle ist ebenfalls gleich nebenan gelegen.
Rutland Senior Secondary (RSS) hat als Schulmotto „Home of Champions and Scholars“ – die Schüler gewinnen regelmäßig Preise.
Mit 1500 Schülern, Jahrgänge 10 bis 12, ist sie vom Angebot her vergleichbar mit der KSS und hat entsprechend auch viele AP (Advanced Placement) Kurse. Als Besonderheit sei hier das First Aid Training Program hervorgehoben, ansonsten hat sie auch gute Angebote in Tanz und auch in praktischen Fächern. An dieser Schule war Rick Oliver selbst fünf Jahre lang Direktor.
Mount Boucherie Secondary School (MBSS) liegt in West-Kelowna und damit auf der anderen Seite des Flusses. Benannt ist die Schule nach dem nahen Berg Mount Boucherie („liegender Bär“). „Welcome to our mountain“ ist entsprechend auch das Motto der Schule.
Eine schöne neue Schule (1500 Schüler, grades 10 bis 12), die so interessante Programme wie Firefighting und Hairdressing hat. Sie ist in einem der am schnellsten wachsenden Gebiete Kelownas gelegen, entsprechend sind die Häuser auch eher neueren Datums.
Die fünfte Schule ist die George Elliott Community School, etwas weiter außerhalb, in Lake Country gelegen. Ähnlich wie OKM hat sie Schüler der Jahrgangsstufen 8 bis 12 und insgesamt nur ca. 900 Schüler. Architektonisch passt sich die Schule mit ihrem langgestreckten Flachbau sehr schön in die Umgebung ein.
Ein Theater ist integriert, ein Curling Rink gleich nebenan, genau wie eine Sportanlage und ein Golfplatz. Gut geeignet für Schüler, die lieber etwas ländlicher wohnen und in eine kleinere Gemeinde integriert sind. Unsere Schülerin Laura (Erfahrungsbericht auf der Website) war hier sehr glücklich.
Insgesamt also ein toller Schulbezirk, der die meisten Schülerwünsche zu erfüllen sucht. Durch sein ambitioniertes Personal, das regelmäßig Aktivitäten, Ausflüge und Treffen organisiert, ein sehr empfehlenswerter Bezirk, gerade für Schüler, die auch gern außerhalb der Schule noch etwas vom Land erleben möchten. So werden regelmäßig Trips in die Rockies und nach Vancouver organisiert, zu den umliegenden Skigebieten sowieso. Und die, die lieber auf eigene Faust aktiv sind, finden in Kelowna auch alles, was das Herz begehrt. Neuerdings ermöglicht der Schulbezirk auch den Schulaufenthalt von drei Monaten, am besten geeignet wäre dazu der Zeitraum Februar bis April, aber auch September bis November, April bis Juni und November bis Januar sind möglich.
Und an diesem Schulbezirk gibt es noch eine Reihe der archetypischen nordamerikanischen Schulbusse:
Kanada ist einen Schulaufenthalt unbedingt wert! Ein Profil dieses Schulbezirks findest du hier.
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