Mein Schülerpraktikum in Costa Rica

Ich bin Saskia und ich war 2010 für ein Jahr in Costa Rica, um dort zur Schule zu gehen. Da ich mich sehr für Tiere interessiere, habe ich in meinen Schulferien dort ein Volontariat gemacht auf einer Tierauffangstation.

Ich bin Saskia und ich war 2010 mit GLS für ein Jahr in Costa Rica, um dort zur Schule zu gehen (mehr über die Schüleraustausch - Programme von GLS). Da ich mich sehr für Tiere interessiere, habe ich in meinen Schulferien dort ein Volontariat gemacht auf einer Tierauffangstation. Das ist eine Art Center, wo verletzte Tiere oder Tiere, die von Menschen aus ihrem natürlichen Lebensraum genommen wurden, hingebracht und dort versorgt und wieder aufgepäppelt werden.

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In Costa Rica ist Naturschutz schon immer ein großes Thema. Das kann man vor Allem an den vielen Nationalparks sehen, die über das ganze Land verteilt sind. Neben der Natur müssen aber auch ihre Bewohner, die Tiere, geschützt werden. In Costa Rica gibt es das große Problem, dass manche Einwohner die Tiere dazu benutzen um Geld zu verdienen, und das nicht sehr artgerecht: Sie nehmen den Muttertieren ihr Baby ab, wobei die Mutter oft getötet wird, weil sie das sonst nicht zulassen würde, und stellen sich mit den süßen kleinen Tieren an die Straße, in der Hoffnung, dass Touristen anhalten und ein Foto mit dem Tier machen wollen, wofür die Einwohner dann Geld verlangen.

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Dabei werden die Tiere meist sehr vernachlässigt: Sie bekommen kaum Futter und müssen in zu kleinen Käfigen oder sogar Säcken leben. Dies ist natürlich alles nicht legal und wenn die costaricanische Polizei so etwas mitbekommt, nimmt sie den Personen die Tiere selbstverständlich ab. Doch wo kommen diese Tiere dann hin? Es gibt in Costa Rica einige so genannte Tierauffangstationen, die sich darauf spezialisiert haben, solche vernachlässigten, oft ums Überleben kämpfenden Tiere aufzunehmen. Das Ziel dieser Stationen ist es, die Tiere aufzupäppeln und sie danach möglichst wieder in die Freiheit zu entlassen, in Nationalparks, die für Menschen nicht zugänglich sind. Manche der Tiere sind allerdings so verstört, dass sie nicht wieder in Freiheit leben können, da ihre Überlebenschancen zu gering wären. Diese Tiere bleiben für den Rest ihres Lebens auf den Stationen, wo sie es aber natürlich trotzdem besser haben als in einem kleinen Käfig am Rand einer Straße. Die Tierauffangstationen bekommen keine Unterstützung vom Staat, deswegen sind sie auf Hilfe angewiesen. Viele von ihnen finanzieren sich hauptsächlich von Freiwilligen, die auf den Stationen ein so genanntes Volontariat absolvieren. Diese Freiwilligen sind oft Jugendliche aus aller Welt, die nach der Schule erstmal ein bisschen Abstand zum Alltag brauchen. Aber auch Austauschschüler haben die Möglichkeit, während ihrer Schulferien ein solches Volontariat zu machen. Die Organisation in Costa Rica organisiert ihnen diese Volontariate. Man sollte dafür allerdings Tiere mögen, da man mit ihnen sehr viel Kontakt hat.

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Das Paradero Eco-Tours ist ein kleiner Familienbetrieb, der sich ganz der Rettung von Wildtieren und Meeresschildkröten gewidmet hat. Er befindet sich in Moín, in der Nähe von Puerto Limón, und liegt direkt am Strand.

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Auf der Finca gibt es neben Affen und Faultieren beider Arten auch Vögel wie Tukane oder Papageien und sogar ein Reh. Außerdem gibt es einen Schmetterlingsgarten, der sowohl zur Aufzucht von seltenen Schmetterlingsarten genutzt wird als auch als Zwischenstation für Faultiere auf dem Weg zur Auswilderung dient.

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Angefangen hat die Geschichte dieser Auffangstation mit Budha, einem Zweifingerfaultier, das als kleines Baby in einem Vogelkäfig auf die Finca kam. Sie war in einem schrecklichen Zustand, da ihre „Besitzer“ sich kaum um sie gekümmert hatten. Aber in der Station wurde sie aufgepäppelt und entwickelte sich zu einem prächtigen ausgewachsenen Faultier. Da sie schon zu sehr an Menschen gewöhnt ist, kann sie leider nicht mehr ausgewildert werden. Doch trotzdem führt sie ein schönes Leben auf der Finca.

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Während einem Volontariat hat man hauptsächlich die Aufgabe, die täglichen Arbeiten, die auf einer Auffangstation anfallen, zu erledigen. Je nach Anzahl werden die Freiwilligen meist in Gruppen eingeteilt, die für verschiedene Tiere zuständig sind. Diese Gruppen werden alle paar Tage gewechselt. Sie sind dafür zuständig, die jeweiligen Tiere täglich zu versorgen: Dazu gehört erstmal, sie dreimal am Tag zu füttern und ihre Käfige sauber zu machen. Vor jeder Mahlzeit werden Früchte geschnitten und die Portionen vorbereitet. Es gibt einen genauen Plan, welches Tier welche Früchte bekommt.

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Außerdem gibt es je nach Tierart noch weitere Aufgaben: Die Faultiere werden zum Beispiel mindestens einmal am Tag in den Schmetterlingsgarten gebracht und dort in die Bäume gesetzt, damit sie täglich genug Bewegung bekommen.

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Dabei sollte man sie aber nicht aus den Augen lassen, denn das ein oder andere Faultier versucht schon mal gerne, die Tür aufzumachen und rauszuklettern. Da aber die meisten schon sehr an Menschen gewöhnt sind, sind sie noch nicht bereit dazu in der Wildnis zu leben, da sie immer wieder zu Menschen zurückkommen würden. Erst nach einer langen Zeit ohne jeglichen Menschenkontakt, die sie in einem speziellen Gehege verbringen, können sie wieder ausgewildert werden.

Eine Aufgabe für sich sind die Babyfaultiere: Sie brauchen sehr viel Zuneigung, da sie ja keine Mutter mehr haben, und man muss ihnen alles beibringen, was sie in der Natur von ihrer Mutter lernen würden. Außerdem werden sie öfter gefüttert als ihre ausgewachsenen Artgenossen, je nach Alter bekommen sie auch noch spezielle Milch. Da sie sich selbst noch nicht ausreichend wärmen können, haben sie Heizdecken in ihren Käfigen. An sonnigen Tagen nehmen die Volontäre sie außerdem ein bis zweimal am Tag mit in den Schmetterlingsgarten oder an andere sonnige Flecken auf der Finca, damit sie noch mehr Wärme abbekommen. Wenn die Kleinen ein gewisses Alter erreicht haben, können sie auf niedrigen Bäumchen im Schmetterlingsgarten erste Kletterversuche starten. Sie bleiben allerdings nie alleine dort, da sie erst langsam Kraft und Muskeln aufbauen müssen und die Gefahr besteht, dass sie von den Bäumen fallen könnten.

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Auf der Finca gibt es auch einige Affen, hauptsächlich Klammeraffen und Mantelbrüllaffen. Während man sich bei den Großen hauptsächlich um das Futter und das Säubern des Käfigs kümmern muss, brauchen die Kleinen noch ein bisschen mehr Zeit und Zuwendung. Auch sie haben keine Mutter mehr, man muss ihnen also die Zuneigung geben, die ihnen sonst diese geben würde. Man muss allerdings immer darauf achten, dass sich die Affen nicht zu sehr an eine bestimmte Person gewöhnen, sondern sich immer abwechselnd Verschiedene um die Affen kümmern, damit diese nicht eine Person als ihre Mutter sehen. Auch die Babyaffen werden täglich in den Schmetterlingsgarten gebracht, damit sie Bewegung bekommen. Außerdem gibt es für sie ein Gehege, in das sie tagsüber kommen. Nachts werden sie allerdings in einen kleineren Käfig mit Heizdecke gebracht, da sie sonst auskühlen würden.

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Die Besitzer der Tierauffangstation engagieren sich außerdem bei der Rettung von Meeresschildkröten, die weltweit vom Aussterben  bedroht sind. An der Karibikküste Costa Ricas kommen die Schildkröten von Februar bis Juli an die Strände, um dort ihre Eier zu legen. Dabei kommen sie ihr Leben lang an den Strand zurück, an dem sie selbst geschlüpft sind. Die Menschen in der Karibik haben leider die Tradition, die Schildkröteneier aus den Nestern zu klauen um sie dann zu verkaufen, da sie, wenn man sie roh isst, angeblich die Potenz steigern sollen. Dafür töten sie aber auch manchmal die Muttertiere. Es gibt Schutzprogramme, die dies verhindern sollen: In Gruppen geht man spät abends, der Hauptlegezeit der Schildkröten, am Strand entlang und hält Ausschau nach Schildkröten, die legen wollen oder nach Nestern. Da die Schildkröten sich nur mit ihren Flossen fortbewegen können und so breite Spuren hinterlassen, sind die Nester leicht zu finden. Die Eier werden ausgebuddelt und zu einem Ort am Rand des Strandes gebracht, wo sie erneut verbuddelt werden. So können die Nesträuber die Eier nicht mehr finden.

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Am Nachmittag haben die Volontäre meist Freizeit. Sie haben die Möglichkeit an den kilometerlangen Strand zu gehen, der direkt vor dem Tor des Centers liegt. Außerdem gibt es eine Busverbindung in die nahe gelegene Stadt Limón, wo es Internetcafés und Möglichkeiten zum Einkaufen gibt. An den Wochenenden können sie außerdem Ausflüge und kleine Reisen machen. Allerdings sollten sie sich absprechen, denn es sollte immer noch jemand auf der Finca sein.

Hier findet ihr alle Informationen zum Austausch in Costa Rica mit GLS.

Kommentare

Hoffentlich werde ich auch die Chance haben, so etwas zu machen! :)