Mein Flug mit 5 GLS´lern nach Zhengzhou, China

Am Mittwoch 24.8.2011 habe ich fünf GLS Austauschschüler auf ihrem Flug nach China begleitet - alle werden in Zhengzhou zur Schule gehen: in der Stadt, die als Wiege der chinesischen Zivilisation gilt.

Ich bin Anja und bei GLS verantwortlich für das China Schüleraustausch Programm. Am Mittwoch 24.8.2011 bin ich nach Zhengzhou in China geflogen - als Begleiterin von fünf Austauschschüler/innen (Klara, Fenja, Emmanuel, Niklas, Nikolas), die in Zhengzhou zur Schule gehen werden. Die Flugroute: Air France ueber Paris und Shanghai nach Zhengzhou.

Auf der Langstrecke Paris - Shanghai (fast 11 Stunden) hatten wir wunderbarere Weise alle Plaetze ohne Sitznachbarn, weil die halbe Boeing leerwar. Die zirka 100 Filme und Serienfolgen waren schon fast wieder uninteressant, weil man eh nicht alle schaffen konnte. Jedenfalls kamen wir sehr entspannt in Shanghai an.

In Shanghai sind wir umgestiegen, und dann. als wir im Flugzeug nach Zhengzhou sassen, doch ins Schlafkoma gefallen. ZZ empfing uns mit fast tropischen Temperaturen um die 35 Grad. Phillip Rosen, der GLS Partner in Zhengzhou, hat uns in klimatisierten Vans abgeholt und sogar was zu trinken mitgebracht. Genial. Phillip ist Lehrbeauftragter an der Zhengzhou University und Ansprechpartner für alle GLS Austauschschüler vor Ort (mehr zu ihm hier). Und das ist er:

Die Fahrt in die Stadt war ca. 1 h lang und gleich eine Stadtrundfahrt. Hochhaeser und Baustellen sind das erste, was auffaellt.

Irgendwann am späten Nachmittag  kamen wir auf dem Schulcampus der No 9 Zhengzhou High School an. Mit letzten Kraeften haben wir die Taschen in den 6. Stock des Jungenwohnheims geschleppt. Die Maedchern wohnen zum Glueck nur im 2. Stock. Hm, was sagt man zu den Wohnheimen? *

* Dazu eine nachträgliche Anmerkung: Im Schuljahr 2011/2012 haben Austauschschüler im Wohnheim bzw. Schulinternat gewohnt. Ab sofort (Stand 2012) werden sie bei Gastfamilien untergebracht, weil sie dort mehr von chinesischer Kultur und Lebensweise mitbekommen. Trotzdem ist vielleicht ganz interessant zu sehen, wie das Internat aussieht.

Das ist das Mädchenwohnheim. Wir konnten uns ungestört umschauen, auch in den „regulären“ Internatszimmern für die Chinesen, weil das Schuljahr noch nicht begonnen hat und das Internat noch nicht bezogen war. Die Zimmer für die Chinesen sind sehr eng geschnittene 8-Bettzimmer, mit einer chinese style Toilette, Kaltwasserdusche, zwar Air Conditioning aber ohne jegliche Dekoration oder Komfort. Zudem gibt es an dem einzigen gemeinsamen Schreibtisch nur 6 Stühle für 8 Personen

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Für unsere GLS Teilnehmer wurden die Zimmer umgerüstet, so dass nunmehr nur vier Hochbetten im Zimmer stehen, die einem eignen Schreibtisch darunter Platz bieten. Es gibt einen Warmwasserboiler, ein westliches Sitz WC und eine eigene Waschmaschine im Zimmer (die allerdings noch nicht angeschlossen war, als wir ankamen.). Sie sind dadurch nicht hübscher geworden, aber ein eigener Arbeitsplatz und nur vier Personen im Bad sind viel wert.

 

Das ist die noch eingepackte Waschmaschine vor einem der Jungszimmer im 6. Stock. Zu den Zimmern gelangt man über überdachte Balkongänge, von denen man direkt auf den Sportplatz und über die Stadt schauen kann. Das ist echt nett, auch weil es sich dort abends mit Freunden gut treffen und quatschen lässt, wenn es so schön warm ist, wie es war, als wir ankamen.

Diese umgestylten  Internatszimmer werden dieses Jahr mit je einem Deutschen und drei Chinesen belegt. Die Schule ist stolz auf ihr International Program für Austauschschüler und hat dafür sogar schnell noch einen neuen Eingang gebaut! In China ist echt alles möglich!

Der allergrößte Vorteil der No 9 High School of Zhengzhou ist die zentrale Innenstadtlage mit einem bunten, belebten, Umfeld inklusive Millionen von kleinen und großen Läden, Coffeshops, Bäckereien, Restaurants, einer Schwimmhalle, Bowling- und Freizeithalle, Nachtmärkte, Bushaltestelle, die Agricultural University direkt gegenüber, Sportstudios, das Museum of Henan etc.

Egal in welche Richtung man von der Schule in Seitenstraßen abbiegt, alles ist belebt und interessant. Es existiert eine Gleichzeitigkeit von hypermodernen Gebäuden und alten einstöckigen runtergekommenen Häusern, fast dörflich anmutende Obststände sind direkt neben großen Fahrradmärkten, handtuchschmalen Tante Emma Läden, durchgestylten Konzeptstores oder Franchiserestaurants, der Post oder einer Polizeistation. Es gibt viele Baustellen, überall Leute auf den Straßen und einen mörderischen Autoverkehr, für den rote Ampeln oder Fußgänger keine Hindernisse darstellen.

Ein weiterer Vorteil der No 9 High School of ZZ ist, dass es hier nur wenige deutsche/internationale Schüler gibt.

Zwei der GLS Austauschschülerinnen in Zhengzhou mit einer chinesischen Mitschülerin. Auf dem Foto unten 2 der Chinesisch-Lehrerinnen, die die Chinesischkurse für Austauschschüler leiten. Die Chinesischkurse sollen die Integration erleichtern und finden immer morgens statt. Zum Kurs gehört, dass alle Austauschschüler das offizielle Chinesisch-Sprachzertifikat HSK ablegen. HSK heißt Hanyu Shuiping Kaoshi und ist international anerkannt als Nachweis von Chinesischkenntnissen, ähnlich dem TOEFL für English.

Nach der Mittagspause nehmen die GLS Schüler dann am regulären Unterricht der chinesischen Schüler teil. Diese Integrationsstunden sind quasi die „Listening Comprehension" Komponente des Sprachunterrichts.

An der No.9 High School of Zhengzhou gibt es sehr beeindruckende Fachunterrichtsräume und auch eine schöne Bibliothek, in der man sich in gemütlichen Sitzecken gut zum Selbststudium zurückziehen kann.

Mich hat es sehr überrascht zu hören, dass die chineseischen Schüler sich quasi nie dort aufhalten, weil sie lieber im Klassenraum lernen oder wegen des langen Unterrichtstages (es gibt auch evening classes) keine Zeit haben, auch noch in die library zu gehen. Zudem hält nach chinesischer Ansicht eine so luxiriöse Umgebung eher vom Lernen ab. Aus diesem Grund sind auch die Wohnheimzimmer so karg. Es gilt das Motto: So wenig Ablenkung und Annehmlichkeit wie möglich, um sich der Hauptaufgabe widmen zu können, dem Lernen...   

 

Fazit: Ich denke,Zhengzhou ist eine wirklich interessante Alternative zu Shanghai und Peking. Gute Betreuung und lokale Ansprechpartner gibt es an allen Schulorten in China, aber einen deutschsprachigen Ansprechpartner - Phillip - nur in Zhengzhou. Insofern ist Zhengzhou auch gut für all die, denen wichtig ist, jemanden an der Seite zu haben, mit dem sie in ihrer Muttersprache reden können. Alle Informationen zu einem Schulaufenthalt in Zhengzhou findest du auf der GLS Website.