Finnland... komplizierter als erwartet...

Meine erste Woche in Finnland ist rum und ich bin einfach nur noch verwirrt...

Hier bin ich also. In Finnland! Ich hab heute viel Zeit, weil ich nur eine Schulstunde habe, die auch erst 13:50 anfängt. Also ist lange ausschlafen und relaxen angesagt. Ich finds toll.

Aber jetzt mal zu dem, was so passiert ist. Am 12.08 um ca. 6 Uhr bin ich in meinem wundertollen Zimmer zu Hause das letzte mal aufgewacht. Um hier mal wirklich ehrlich zu sein und einigen Leuten auch mal zu zeigen, dass nicht jeder Austausch immer nur supertoll am Anfang ist, schreib ich wirklich alles! Also...ich wurde wach und hatte KEINE Lust. Ich wollte weiterschlafen, den Austausch Austausch sein lassen und vor allem meine Familie nicht verlassen, aber es gab kein zurück. Zumindest hab ich mir das eingeredet. Wir fuhren also los Richtung Berlin, Richtung Finnland, Richtung 10 monatiger Trennung. Ich war sehr still im Auto, was nicht typisch für mich ist. Als wir ankamen, wurde alles noch schlimmer. Ich hab mich mit allem möglichen abgelenkt, über alles mögliche gelabert, nur nicht die kommenden 10 Monate. Schlussendlich musste ich durch die Sicherheitskontrolle und das war der härteste Schritt meines Lebens. Ich wollte wirklich nicht weinen, aber ich musste. Ich wollte einfach nicht gehen... Als ich dann im Flieger war, hat meine Familie auch noch auf der Besucherterasse gewartet und gewunken und ich musste schon wieder heulen. Im Flieger ging es mir komplett anders als erwartet. Ich war nicht aufgeregt, meine Gastfamilie zu sehen. Ich war nicht nervös und hibbelig. Ich war traurig. Unendlich traurig und hab mir überlegt, wie ich am schnellsten wieder nach Hause komme.

Schlussendlich bin ich dann aber doch nach Finnland geflogen. In Turku hat meine Familie mich abgeholt und ich war überglücklich. Aber ehrlich gesagt nicht wegen der Familie, sondern weil meine Gitarre angekommen und ganz war...XD Mit dem Auto haben sie mir dann ein bischen die Umgebung gezeigt und dann gings ins Haus. Wir sind gleich gut klargekommen, haben gelabert und uns super verstanden. Natürlich rede ich Englisch. Es war aber auch echt sehr gut, dass Annika (meine älteste Gastschwester) erst vor kurzem in Australien und England war. Es war also gut mit ihr zu erzählen, weil ihr Englisch wirklich sehr gut ist.

Ich bin also angekommen und alle Gedanken über meine Familie zu Hause und die Trauer waren erstmal weg. Ich fands toll hier und hab auch wirklich gedacht, ich wäre schon angekommen und der Kulturschock würde vielleicht ausbleiben. VERDACHT!!! Nur 4 Tage später ging es los... Seit ca. 3 Tagen bin ich jetzt ziemlich dolle depressiv gewesen. Es wird langsam besser, aber ich wollte einfach weg. Und das ist schwierig zu erklären. Ich wollte nicht weg, weil es hier nicht schön ist, aber ich hab innerhalb von 7 Tagen gemerkt, wie viel mir meine Familie und mein deutsches Leben bedeutet. Meine Eltern mussten wirklich gute Aufbauarbeit leisten... Heute früh ging es dann schon besser, aber es ist nach wie vor so, dass mir 10 Monate auf einmal so viel länger vorkommen, als noch vor 2 Wochen... Ich hab in den letzten Tagen immerwieder ans aufgeben gedacht. Daran, einfach zu sagen ich packs nicht und nach Hause zu fliegen zu meiner Familie. (Oh man...jetzt heul ich schon wieder...) Aber ich schaff das! So doof das jetzt klingt, aber ich hab mir einen Kalender geschrieben, in dem ich die Wochen abstreiche, die ich geschafft hab. Ich hab mir alles in kleine Abschnitte geteilt. Ich hab das Gefühl ich brauch sowas. Seitdem ich den Kalender hab, gehts mir besser. Ich fühl mich wieder wohler und hab auch wieder das Gefühl, dass ich das schaffen könnte. Mir hats geholfen... Vielleicht kommt auch irgendwann der Tag an dem ich den Kalender nichtmehr brauche und es auch so klappt. Aber im Moment ist das Wissen, dass es nur 42 Wochen sind mein größter Halt. Das klingt undankbar, ich weiß, aber vorgestern hatte ich schon den Hörer in der Hand, um meinen Eltern zu sagen, dass ich nach Hause komme.

Jetzt geht es aber bergauf! Ich werde das schaffen und ich habe hier auch schon superliebe Freunde gefunden. Die Finnen sind nämlich gar nicht so zurückhaltend. Sie sind superlieb. Man muss ihnen signalisieren, dass man sich für sie interessiert und ihnen auch sagen, dass ihr Englisch gut ist und Fehler jedem passieren...

Die Schule ansich ist gut. Die Lehrer sind lieb und total hilfsbereit. Ich mag sie. =) Hier ist irgendwie alles etwas lieber und familiärer... nicht so anonym wie in Deutschland.

So...das ist sicher genug für einen Eintrag. Vielleicht liest das wer und vielleicht geht es ja jemandem genauso. Wenn ja, dann versucht den Kalender. Mir hilfts.

Liebe Grüße, Riecke

Kommentare

hey riecke,
ich denke nich dass du die einzige bist die so fühlt, weil ich wenn ich alleine bin auch manchmal zurück möchte oder den abend bevor ich geflogen bin dacht ich mir nur: "du bist echt dumm dass du das gemacht hast". wenn ich merke was ich alles zuhause verpasse dann denke ich mir auch nur so "ja scheiße!" aber mir gefällt es hier wirklich super. und ich möchte eigentlich gar nich zurück. ich weiß was du damit meinst dass du erst jetzt gemerkt hast wie viel dir das leben in deutschland und deine familie bedeutet, weil es mir auch so geht aber ich mag diese familie so sehr, dass ich mir wirklich vorstellen kann dass sie meine "zweite familie" wird. ich will nich weg, ich will nur dass man diese beiden leben irgendwie kombinieren könnte. ich hab noch etwa 120 tage bis ich in mein normales leben zurück gehen werde und ich habe vor diese 120 tage in meinem zweiten leben zu genießen! weil ich es liebe :)

Der Gedanke mit dem kombinieren ist ne gute Idee.
Ich liebe diese Familie auch und ich bin jetzt schon traurig bei dem Gedanken irgendwann die Leute hier zurückzulassen, aber ich freu mich auch jetzt schon riesig auf die Pfingstferien in Deutschland, weil mich meine Eltern dann abholen. Ich liebe es hier und ich freue mich hier zu sein und ich finde auch immermehr Freunde, aber es wäre noch einen Funken schöner, wenn meine Eltern da wären ( Ich weiß, das geht nicht...).
Weißt du...ich hab noch 42 Wochen hier (Ich zähle nicht die Tage, dass würde mich eher traurig machen) und mir kommt es an manchen Tagen unglaublich lang vor. Aber heute denke ich zum Beispiel: Die Zeit rast...
Naja... wir werden sehen, was noch so kommt. =)

hallo, ich war von März bis August in Argentinien und ich kann dir sagen, dass es mir genauso ging, den Abschied am Flughafen in Berlin war (dachte ich zumindest) das schlimmste was mir je passiert ist. Und dann kam ich an und mir gefiel es dort, doch andererseit dachte ich, dass ich es nie fünf Monate aushalten würde. Mir kam es unglaublich lang vor und auch ich habe mir aufgeschrieben wie viele Wochen und Tage es sind, das hat mir geholfen, doch nach drei Monaten habe ich das vollkommen vergessen, da war ich richtig drin in meinem argentinischen Leben, erst in den letzten Tagen habe ich dann wieder begonnen zu zählen, aber das, weil ich nicht zurück wollte. Wie gesagt ich dachte, dass der Abschied in Berlin das Härteste gewesen wäre, doch ich hatte den Abschied meiner Freunde in Argentinien unterschätzt, denn er war noch viel grausamer.. Ich meine, wer weiß, wann ich die wiedersehe und ich meine am Ende habe ich mir nur gedacht, wie blöd ich eigentlich bin, weil soo lange sind fünf Monate nun auch nicht und vor allem vergehen sie wie im Flug.. Also ich glaube, das du definitiv nicht die einzige bist, der es so ergeht, wie gesagt mir gings genauso :)

Liebe Grüße
Luise

Wirklich gut zu wissen, dass ich nicht die Einzige bin... Es ist halt irgendwie schwierig, wenn alle einem erzählen, wie toll alles ist und man selber denkt sich: Naja...es ist schon schön, aber supertoll finde ich es nicht.
Am schönsten war, als eine Freundin mir sagt, sie möchte am liebsten da bleiben... das war vielleicht komisch. Ich dacht nur so: "Ja...es ist schön, aber hierbleiben??? NO WAY!"
Wie der abschied am Ende wird, wird sich noch zeigen. Ich hab ja 10 Monate vor mir. Aber bei mir ist das mit dem Wiedersehen anders, weil Finnland ja nich sooo weit von Deutschland weg ist. Da ist das mit Argentinien schon was anderes...
Aber danke für deinen Kommi. Es ist echt gut zu wissen, dass ich nicht die einzige bin.
Wobei ich langsam angekommen bin und es mir besser geht.;)
LG Fri.Fro.