Ein Besuch in Zhengzhou

Zhengzhou in China - auch hier platziert GLS Austauschschüler, und ich war in Zhengzhou ...

Normalerweise haben Mütter in Auslandsprogrammen nichts verloren.
Aber Neugierde und eigenes Fernweh trieben mich nach China, um meine Tochter Anne, die beim GLS Partner in Zhengzhou ein Praktikum absolviert, über den Jahreswechsel 2012/13 zu besuchen.

GLS bietet auch in China Austauschprogramme an und hat Partner in Peking und Zhengzhou, die GLS Austauschschüler vor Ort betreuen. In Zhengzhou kooperiert GLS mit einer Sprach- und Bildungseinrichtung, die Phillip Rosen mit seiner Frau Fu Xiao leitet. Anne arbeitet in ihrem Büro und hat auch zwei der GLS Austauschschüler kennengelernt.  Aber von Anfang an:

China – Warum ausgerechnet China? Als sich unsere Tochter Anne entschied, nach dem Abitur für ein Jahr in den Fernen Osten zu gehen, stieß sie fast überall auf großes Unverständnis. Laut, schmutzig, kommunistisch, diese Sprache, ach, und das Essen erst! So lauteten die Vorurteile. Allen Unkenrufen zum Trotz buchte Anne bei GLS ein Praktikum in China bzw. in Zhengzhou,  ab September 2012. Vormittags studiert sie nun am Huanghe Science and Technology College die chinesische Sprache, vor allem abends und am Wochenende arbeitet sie als Praktikantin für den GLS Partner in Zhengzhou.

Die einzige Bedingung für die mütterliche Zustimmung war, dass ich Anne einmal besuchen kommen darf.

In den Weihnachtsferien war es endlich soweit. Im wahrsten Sinne des Wortes „mutterseelenallein“ reiste ich über Peking nach Zhengzhou, eine Stadt, die inzwischen auf fast neun Millionen Einwohner angewachsen ist.

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Empfangen wurde ich typisch chinesisch, soll heißen herzlich und organisatorisch flexibel:

Anne war mit ihrem lieben Freund Guo Bin, einem Musikstudenten, und dessen Dozent in einem von einer Kollegin geliehenen Auto zum Flughafen gekommen, um „Anna de Mama“, wie ich nun immer genannt werden sollte, abzuholen.

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Wir fuhren zu dem Haus, in dem Anne seit Dezember lebt. Auf eigenen Wunsch hatte sie ihr Zimmer im Studentenwohnheim gegen ein kleines Appartment getauscht.

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Der Blick aus Annes Wohnung -

So sieht Zhengzhou vom 26. Stockwerk aus:

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Das ist übrigens der Parkplatz vor Annes Haustür:

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Schon bei der Fahrt vom Flughafen in die Stadt hinein konnte ich sehen, wie die moderne Großstadt immer mehr Raum einnimmt und zunehmend traditionelle Viertel verdrängt.

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In diesem modernen Komplex befindet sich Phillips Büro:

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An meinem ersten Tag besuchte ich Annes Chinesischkurs am Huanghe Science and Technology College, hier das Eingangsportal,

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an dem auch die deutschen Austauschschüler Meret und Kieran teilnehmen.

Im Winter tragen auch Computer und Fenster warme Kleidung!

 

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Hier der Blick aus ihrem Unterrichtsraum in den Pausenhof, wo die Schüler der benachbarten Mittelschule ihre täglichen Sportübungen absolvieren.

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Die liebe Dozentin, Frau Zhang, und ich haben leider keine gemeinsame Sprache außer einem herzlichen Lächeln,

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aber sie verwöhnte mich mit in Teeblättern gekochten Wachteleiern, die ich genussvoll verspeiste, während ihre Schüler Grammatikübungen machen mussten.

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Wenn Anne in den folgenden Tagen Unterricht hatte, streifte ich allein durch die Stadt. Die bunten Märkte, die Garküchen am Straßenrand und vor allem die Kinder hatten es mir angetan.

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In Zhengzhou gibt es keine Touristen und kaum Langnasen. Als solche wird man immer bestaunt und beredet, oft auch fotografiert. Austauschschüler Kieran musste seine kleine Gastcousine auch erst mit Hilfe von Gummibärchen an sein fremdartiges Aussehen gewöhnen!

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Ein ganz besonderes Erlebnis war für mich die Einladung zu einem opulenten Abendessen mit Kierans Gastfamilie. Aus Rücksicht auf Anne und mich als Vegetarierinnen gab es Hot Pot, ein von unten mit Holz befeuerter Topf, gefüllt mit Karpfenköpfen und unzähligen Beilagen. Die ganze Familie strahlte so viel Gastfreundschaft aus und ich fühlte mich in ihrer Mitte richtig wohl.

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Kaifeng, die Nachbarstadt von Zhengzhou, ist einen Tagesausflug wert. Dort gibt es den Millenium City Park (eine Art chinesisches Disneyland und Freilichtmuseum), der einen malerischen Einblick in alte Traditionen vermittelt.

 

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Wie kalt es im Winter hier werden kann, zeigt das Foto von Anne und Kieran in Kaifeng.

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Aus dieser Speisekarte haben die beiden eine vegetarische Mahlzeit für mich ausgewählt. Zu den größten Überraschungen für mich gehörte, wie gut sich Anne in die chinesische Sprache eingefunden hat. Nach nur vier Monaten hat sie sich alltagstauglich verständigen können – und das ohne jegliche Vorkenntnisse! Für mich ist das der Beweis dafür, wie gut der Unterricht am College in Kleingruppen und wie wichtig der Kontakt mit der chinesischen Bevölkerung ist. Aber Anne betont auch, dass zum Chinesischlernen ein gewisser Fleiß gehört...

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Essen hat einen hohen Stellenwert in China. Gegessen wird normalerweise drei Mal am Tag warm, vorzugsweise in größerer Gesellschaft. Im Winter behält man den Mantel in den Lokalen an, weil es dort in der Regel ungeheizt ist. Aber scharfe Gerichte wärmen auch von innen... Ich fand die Mahlzeiten immer spannend, abwechslungsreich und das meiste hat mir sehr gut geschmeckt. Übrigens: Hunde waren auf keiner Speisekarte zu finden, die werden jetzt wie bei uns als Haustiere verhätschelt. Die Zeiten der Hungersnöte sind glücklicherweise vorbei.

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Diese Speisekarte konnte auch ich lesen:

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Ein anderer Ausflug führte uns ins Shaolin-Kloster, heute Weltkulturerbe. Dort gibt es auch die älteste Kungfu-Schule der Welt, die täglich mit imposanten Vorführungen beeindruckt. Annes Freunde Xu Rong Hua und Guo Bin versuchten uns die buddhistische Welt näherzubringen.

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Ein buddhistischer Mönch ließ sich ausnahmsweise im Klosterhof mit uns fotografieren.

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Was hat mich bei meinem Aufenthalt in Zhengzhou am meisten beeindruckt?

 

1. Die Freundlichkeit und Offenheit der Chinesen und wie viel Lebensfreude sie ausstrahlen

 

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2. Die nächtliche Großstadt

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3. Ein unvergesslicher Abend beim KTV (Karaoke) mit Dozenten und Studenten der Musikhochschule. Ich habe ihnen abschließend Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ vorgesungen.

 

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Und 4.

Phillip Rosen, seine Frau Fu Xiao und ihr Söhnchen Alex.

Danke für alles!

 

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Der Abschied ist mir wirklich schwer gefallen.

Aber ich bin sicher: Das war nicht meine letzte Reise nach China!

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