Mein Auslandsjahr in Kanada

Hallo erstmal, mein Name ist Joris, ich bin 16 Jahre alt und habe vom August 2019 bis Ende März 2020 mein Auslandsjahr mit GLS in Kanada gemacht. Planmäßig wäre mein Auslandsjahr erst im Juni 2020 zu Ende gewesen, jedoch hat die Corona-Krise diese Pläne zunichte gemacht.

Ich habe im Ort Gold River gelebt, einem kleinen Ort im Westen von Vancouver Island, in dem etwa 1.200 Leute leben. Der Ort ist umgeben von einem Bergpanorama, wie man es sonst nur aus dem Urlaub kennt, riesigen Wäldern und zwei Flüssen. Man muss sich darauf einstellen, hier auch mal einem Bären oder einer Bärenfamilie zu begegnen. Es gibt in Gold River keinen Supermarkt, kein Kino, keinen öffentlichen Nahverkehr und Mobilfunknetz gibt es erst seit Ende 2019. Der nächste Supermarkt ist in Campbell River (etwa 90 km entfernt). Es gibt ein Restaurant, mehrere Cafés, eine Tankstelle und eine Art Drogerie-Markt. Außerdem gibt es eine Polizeiwache, eine Arztpraxis und die freiwillige Feuerwehr.

 

 

Vermutlich fragt ihr euch, wer will denn überhaupt dorthin und warum? Ganz einfach: Die Besonderheit an Gold River ist das Nootka-Sound Outdoor Programm! Dies ermöglicht es den Schülern und International-Students, auf Ausflüge zu gehen, die Wildnis auf Vancouver Island zu erkunden und viele Abenteuer zu erleben. Es gibt etwa 20 Ausflüge im Schuljahr, von Surfen über Reiten bis Skifahren und Klettern. Alles ist dabei. Ich war auf so gut wie allen Ausflügen bis März dabei und habe dabei großartige Erfahrungen gesammelt. An den Frühjahrsaktivitäten (Nootka Sound Trail Hike, Surfen, Segeln und Kanu fahren) konnte ich leider nicht teilnehmen, da ich wie oben beschrieben mein Auslandsjahr aufgrund der derzeitigen Lage bezüglich der Covid-19 Pandemie vorzeitig beendet habe.  

Für alle Skifahrer unter euch: falls ihr ein Teil des Basketball-Teams sein wollt bedenkt, dass viele Turniere und Spiele zeitgleich mit den Ski-Ausflügen (zum Mount Washington) stattfinden und die Entscheidung zwischen dem Team und Skifahren bekanntlich hart ist. Ich war ein Teil des Gold River Boys Basketball Team und wir konnten uns den 5. Platz auf den Island Championships erkämpfen. Ich hatte vor meinem Auslandsjahr nichts mit Basketball zu tun und auch kein Interesse an Basketball. Jedoch habe ich mich entschieden es auszuprobieren, da man bekanntlich ja alles einmal ausprobieren muss. Jetzt sitze ich hier in Deutschland und weiß gar nicht mehr, was ich ohne Basketball machen soll. Innerhalb von wenigen Monaten ist Basketball für mich zur Leidenschaft geworden.

Nun zur Schule: Ich habe dort die Gold River Secondary (GRSS) besucht und bin in die 11. Klasse gegangen. In meinem Jahrgang gab es noch einen weiteren deutschen Austauschschüler und eine japanische Austauschschülerin. Die Schule wird von etwa 90 Schülern und bis zu 15 International-Students besucht.

Nun kommen wir aber mal zum Unterricht. In Kanada wird ein Schuljahr in 4 Terms unterteilt. Am Ende von jedem Term erhält man eine Report-Card, die quasi wie ein Zeugnis ist. Man hat am Tag 5 Unterrichts-Blöcke. Zwei Blöcke am Morgen, die jeweils 80 Minuten lang sind und drei Blöcke am Nachmittag, die jeweils etwa 50 Minuten dauern. Die Klassengröße schwankt zwischen 2-20 Schülern. In meiner Klasse waren 20 Schüler. Man kann viele verschiedene Fächer belegen. Ich habe die Fächer Social Justice (Ethik), Foods (Kochen), Mathematics, Art, Composition 11 (Englisch 11. Klasse), Chemistry, Photography und Biology gewählt. Jeder Jahrgang hat einen so genannten Homeroom. Quasi wie ein Klassenraum. Außerdem gibt es vier Hausteams - ja genau wie bei Harry Potter. Über das gesamte Schuljahr verteilt gibt es verschiedenste Aktivitäten (Teamspiele), bei denen man Punkte für sein Hausteam sammeln kann. Schule ist leichter und teilweise auch schwerer als in Deutschland. Das kann natürlich an den Fächern und vielleicht auch an Sprachbarrieren liegen. Das Wichtigste hatte ich fast vergessen - jeden zweiten Freitag gibt’s schulfrei!

Wie bereits erwähnt kann man neben der Schule Basketball spielen. Es gibt ein Mädchen sowie ein Jungen Basketball Team. Außerdem kann man bei der Freiwilligen Feuerwehr arbeiten und sogenannte Work Credits (Punkte für den Schulabschluss) sammeln. Mein Alltag dort war sehr abwechslungsreich. Nach der Schule habe ich meistens Basketball gespielt, war bei der Feuerwehr, oder habe auch viel Zeit mit meinen Freunden in der Schwimmhalle oder im Fitnessstudio verbracht.

Erwähnen muss man noch, dass Kanadier generell sehr freundlich,  sozial und außerdem überaus zuvorkommend sind. Schüler Lehrer, Nachbarn oder Anwohner werden einfach auf dich zukommen und Gespräche anfangen. Wie es in einem kleinen Dorf halt so üblich ist.

Ich habe bei einer Gastfamilie gewohnt und hatte einen Gastvater sowie einen japanischen Gastbruder. Ich hatte ein eigenes Zimmer mit ausreichend Platz. Das Badezimmer haben wir uns geteilt, das ist aber je nach Gastfamilie sehr unterschiedlich. Ich habe mich in Kanada gesund ernährt, was jedoch auch schwer werden kann, da Kanadier alles lieben was Zucker hat und frittiert ist. Zum Frühstück gab es Rührei mit Bacon oder Pancakes mit Ahornsirup. Es wurde jeden Abend gekocht. Das Essen war eher amerikanisch, reichhaltig und überwiegend gesund.

Im Fazit würde ich behaupten, dass Gold River vermutlich der beste Ort ist, um Englisch zu lernen. Dadurch, dass der Ort so klein ist, ist es sehr leicht Freunde zu finden und sein Englisch zu verbessern. Außerdem hat man viele Möglichkeiten, Orte zu sehen, die man vorher noch nie gesehen hat und sonst vermutlich auch nie sehen würde. Ich habe meine Zeit dort sehr genossen und würde es auf jeden Fall weiter empfehlen!

Ich habe vermutlich unheimlich viele Sachen vergessen zu erwähnen, jedoch habe ich einfach mal auf gut Glück drauf los geschrieben. Falls ihr Fragen habt, meldet euch einfach, ich bin für alle Fragen offen:)