Begegnungen im Regenwald

"Wenn ich schon in Brasilien bin, will ich auch in den Amazonas!", für mich war das irgendwie sehr klar, wenn auch für die meisten Brasilianer nicht besonders nachvollziehbar.

Jetzt zurückblickend, waren die zehn Tage im grössten tropischen Regenwald der Welt eine der schönsten und intensivsten Erfahrungen, die ich in meinem Auslandsjahr in Brasilien gemacht habe. Als ich das erste Mal bewusst vom Amazonas gehört habe, war ich in der dritten Klasse und meine Geografielehrerin ¨liess mich einen Vortrag über Regenwälder machen.

Ich kann mich noch an die Bilder des Wikipedia Artikels erinnern und an meine Ungläubigkeit, dass so etwas wirklich existieren könnte.

Der Wunsch dieses wasserreichsten Fluss der Welt kennenzulernen, war mit Sicherheit ausschlaggebend, für meine Entscheidung, ein Jahr lang in Brasilien leben zu wollen.

In diesem riesiges Land ist Amazonas der größte seiner Bundesstaaten, aber die Brasilianer selbst nicht besonders scharf darauf “in den Dschungel zu fahren”.

Meine Gasteltern waren vielmehr sehr besorgt, mich in diese rechtsfreie Zone zu lassen; mein Gastvater sah mich sehr ernst an und erklärte mir, die Indios dort wären nicht mehr wie in den Bilderbüchern, sondern auf Geld angewiesen, und deshalb gefährlich. Aber da ich als ja sowieso nicht allein reisen darf und deswegen eine Reiseagentur nur für Austauschschüler aufgetan habe, haben sie mich am Ende doch fahren lassen.

Das ‘in den Amazonas fahren’ an sich ist aber schon schwierig, denn Manaus, die Hauptstadt des Staates, besitzt keine einzige Verbindungsstrasse zum Rest der Nation, sondern lediglich einen Schifffahrts- und einen Flughafen sowie eine Brücke über den Rio Negro nach Kolumbien. Eine urbane Insel mit zwei Millionen Einwohnern mitten im Regenwald.

 

Ich bin also geflogen.

Ich weiß, nicht genau, warum mich alles dort so glücklich gemacht hat, aber ich glaube, dieses Gefühl mitten in der Natur zu sein, in beinahe unberührtem, wildem Gebiet.

Und ich weiß, dass meine Reise sehr komfortabel war, behütet von den Rangern und der Crew an Bord des Bootes, die uns immer schön mit (GÖTTLICHEM!!!) Essen versorgt und von jedweder Gefahr ferngehalten haben, das alles zu ignorieren wäre sehr naiv.

Aber trotzdem hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass niemand "Herr über die Natur" ist, sie uns Menschlein sogar unglaublich überlegen ist, und wunderschön und fast zu perfekt um einfach nur irgendwie durch Zufall entstanden zu sein; ein riesiges geniales System!

Die “Reisebegleiter” oder Ranger, die unsere Gruppe auf dem Boot auf dem Amazonas begleitet haben, hatten weder Angst vor dem Wald und dem Fluss und ihren Bewohnern, noch waren sie “Beherrscher”, sondern einfach Respekt, und Akzeptanz. Sie wussten genau, was sie machen konnten und was nicht. Für mich war das sehr beeindruckend und wunderschön zu sehen.

Ich hab wilde kleine Äffchen durch die Bäume springen sehen, ein kleines Krokodil auf dem Arm gehalten, und bin mit Piranhas im Fluss geschwommen.

Wusstest du, lieber Leser, dass Krokodile Angst vor Prinajas haben? Piranhas aber keine Menschen fressen? Ich nicht. Jetzt schon.

Wir haben auch eine Indianer Kommune besucht, die uns von ihren Traditionen erzählt und Tänze vorgeführt und sogar mit uns zusammen getanzt haben.

Ein schöner Moment, aber auch eine merkwürdige Begegnung, denn neben all dieser Traditionen erzählten sie auch, dass sie heute eigentlich nicht mehr so leben würden, sondern ganz normal, mit Internet, E Mail, Schule, Arbeit, wie wir auch. Aber diesen Teil ihres (tatsächlichen?) Lebens haben sie uns natürlich nicht gezeigt.

 

 

Aber es hat sich ein bisschen angefühlt wie ein Theaterstück, das sie für uns aufgeführt, aber irgendwie auch ein kleines bisschen ihre Seele verkauft haben, an die Touristen, die unbedingt immer schon mal Indianer sehen wollten...

Aber ich bin froh, die Erfahrung gemacht zu haben!

 

 

Ich hätte so gern noch  mehr über die Bäume und Tiere erfahren, den Fluss. Aber dafür ist eine Reisegruppe von 53 jugendlich-pubertären Austauschschülern, dann doch zu groß.

Aber die Leute waren wirklich toll! Ich habe viele, viele wunderbare und unglaublich spannende Menschen, und neue  Freunde gefunden, von denen ich nur hoffe, sie irgendwann einmal in ihren Ländern besuchen zu werden!

Es ist verrückt wie die Welt gleichzeitig größer und kleiner wird.